PREDIGT AM 1. SONNTAG NACH EPIPHANIAS 2014

1.Kor 1,26-31
26 Seht doch, liebe Brüder, auf eure Berufung. Nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Angesehene sind berufen.
27 Sondern was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er die Weisen zuschanden mache; und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er zuschanden mache, was stark ist;
28 und das Geringe vor der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt, das, was nichts ist, damit er zunichte mache, was etwas ist,
29 damit sich kein Mensch vor Gott rühme.
30 Durch ihn aber seid ihr in Christus Jesus, der uns von Gott gemacht ist zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung,
31 damit, wie geschrieben steht »Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn!«
Was würden Sie denken, liebe Gemeinde, wenn ich Ihnen heute morgen in diesem noch so jungen Jahr 2014 Folgendes sagen würde:
Es gibt nicht viel kluge Leute bei Euch, und besonders kraftvoll tretet Ihr auch nicht auf. Von einer gewissen Schwäche ist bei Euch zu reden. Besonderes Ansehen genießt Ihr übrigens auch nicht und um Grunde seid Ihr mit einer ziemlichen Torheit behaftet
Das wäre ja wohl so etwas wie gottesdienstliche Publikumsbeschimpfung, die an die Grenze des Unerträglichen ginge.
Was aber will nun Paulus mit diesem Bibelwort sagen, dass ich nach guter kirchlicher Ordnung als Predigttext für den heutigen Sonntag als Aufgabe gestellt bekommen habe.
„Es ist ja ein ziemlich starker Tabak“, so sagen wir es an der Westküste Schleswig-Holsteins ja manchmal, wenn uns etwas so ganz und gar gegen den Strich geht. Können wir trotzdem etwas damit anfangen und für uns selbst und auch das Leben unserer Kirche an Kräften daraus ziehen? Lassen Sie uns den Versuch machen.
Ich lade Sie ein in zwei Gedankenkreisen, dieser Aufgabenstellung nachzugehen. Im ersten wollen wir uns noch einmal zurück besinnen auf die Geschichten von Advent und Weihnachten mit ihrer ihr eigenen Weisheit, und in einem zweiten der Frage nachgehen, was denn nun letztlich klug und weise ist, und was dumm und töricht.
Wie fing doch noch einmal alles an? Ich erinnere an Maria, dieser einfachen Frau vom Lande. Ihr wird mitgeteilt, dass sie den Retter der Welt, den erwarteten Messias zur Welt bringen soll. Denn da gehört er ja wohl hin, der Weltenretter. Josef, der dazugehörige Mann, hat mit dieser Schwangerschaft im Übrigen auch seine Probleme. Er denkt sogar daran, die Verlobte zu verlassen.
Als Maria das alles so durch Kopf und Herz hat gehen lassen, da singt sie ein großartiges Lied, das wir das Magnifikat nennen: Meine Seele erhebet den Herrn. Luther hat eine wunderbare Auslegung zu diesem Lied geschrieben. Ich gebe einige seiner Gedanken mit meinen Worten wieder:
Hätte Gott sich nicht eine der höheren Töchter in Jerusalem auserwählen können? Aus dem Hause der Hohen Priester zum Beispiel oder sogar aus dem Palast des Herodes? Nein, er erwählt eine einfache junge Magd vom Land die mit einem Handwerker verlobt ist.
Und als dann die Geburt naht und die Eltern unterwegs sind, weil der Staat es nun mal so will, da finden sie keine Herberge. Am Ende ist es wohl eine Grotte auf den weiten Feldern rund um Bethlehem, die armselige Hirten als Unterstand für sich und ihre Tiere bei schlechtem Wetter aufsuchen. Wo genau, weiß wohl kein Mensch. Die Geburtskirche wurde erst Jahrhunderte später errichtet. Ein Bett ist auch nicht vorhanden, bestenfalls Futter und Streu und ein Viehtrog als Wiege.
Und wer sind die ersten Menschen, zu denen die Botschaft von der Erscheinung des Weltenheilands kommt? Eben jene Hirten, die vielleicht nicht auf ihn gewartet haben, und über die wir an den Feiertagen bereits einiges gesagt und gehört haben. Es sind weniger den klugen Theologen und Hüter der Religion. Die haben sich zwar schon seit langer Zeit immer wieder mit dem Kommen des Messias beschäftigt und durchaus unterschiedliche Vorstellungen vertreten und diskutiert. Etwa diese:
Wird er eine politische Größe sein, die die verhasste Besatzungsmacht aus dem Land treibt?
Wird er mit machtvollem Gehabe und militärischer Kompetenz das alte davidsche Großreich wieder aufrichten?
Wird er ausschließlich für das Volk Israel da sein oder sogar für alle Völker der Welt, wie es manche der Propheten gemeint haben?
Jedenfalls in diesen Kreisen erscheint der Gott, der Mensch wird, nicht, zumindest zunächst nicht. Wenn er zur Welt kommt, dann ganz unten, eben ein ganz einfacher Mensch, dem von nun an nichts Menschliches mehr fremd sein wird.
Und dann sind da die Astrologen, die Weisen oder meinetwegen auch die Heiligen Drei Könige, an die wir uns am letzten Sonntag erinnert haben. Sie sind ihrem Leitstern gefolgt, der ihnen und vielleicht sogar der ganzen Welt den Weg zeigen soll. Natürlich gehen sie zunächst in die Hauptstadt, reden mit Theologen und Vertretern der religiösen und auch der weltlichen Macht. Die aber wissen nicht weiter. Hier wird schon deutlich, dass die angeblich Bedeutenden und Klugen ziemlich ahnungslos sein können.
Die Weisen folgen weiter dem Leitstern. Der führt sie zu Grotte und Futtertrog. Sie müssen sich wohl bücken, um hineinzukommen. Dort finden sie, was sie gesucht haben. Sie legen ihre Geschenke nicht auf einen prachtvollen Gabentisch sondern eher in den Dreck eines Stalles, was denn sonst soll dort wohl auf dem Boden liegen.
Dann aber, als sie sich verabschiedet hatten, gehen sie nicht den Weg, um den sie die Klugen und Mächtigen in Jerusalem gebeten hatten. Vielleicht sind sie ja deshalb so weise. Erahnen sie schon, dass das hilflose Kind zuerst verfolgt werden soll und später als Mann von Nazareth, der heilend redet und handelt, in einer unheiligen Allianz von Religion und Politik zunächst verfolgt, dann gefangen, gefoltert und hingerichtet wird? Zeigen sie uns schon, dass Krippe und Kreuz aus demselben Holz gefertigt sind?
So ist das, liebe Gemeinde, von den unteren Zehntausend und den bescheiden und demütig gewordenen Klugen, die nicht der Torheit erlegen sind, lernen wir, was es bedeutet, wenn Gott Mensch wird. Können wir daraus schon unseren Nutzen ziehen für uns selbst und auch für unsere Kirche, die in dieser Zeit nach Wegen sucht in das Morgen; in einem so schweren Prozess mit vielen klugen Ratgebern.
Gerade die Nordelbische Kirche aus der ich komme, ist ja in ihrem Weg in die große Nordkirche, die Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern umfasst, vielfach mit solchen Gedanken und Überlegungen befasst gewesen. Als dann die Gründung anstand, gab es eine bemerkenswerte Nachricht, die mich seiner Zeit besonders beeindruckt hat. Und ein ehemaliger mecklenburgischer Bischof von Schwerin, hatte die Einladung zu dieser Synode abgelehnt. Er meinte damals, das 5 Sternehotel „Hohe Düne“ bei Rostock passe nicht zur einer kirchlichen Gründungsversammlung.
Vielleicht hatte er ja noch den Stallgeruch des Jesuskindes im Gedächtnis, dessen Geburt wir gerade einmal vor drei Wochen gefeiert haben. Die Nordkirche wurde in einem 5 Sternehotel geboren, und der Christus, auf den sich diese Kirche ja wohl hoffentlich beruft, kommt in einem Viehstall zur Welt. Da scheint etwas nicht ganz zu passen. Der Altbischof Beste hatte damals schon meine Sympathie.
Sind die Klugen wirklich immer die Weisen? Sind die Mächtigen nicht oft genug die mit Torheit geschlagenen? Damit sind wir schon mitten im zweiten Gedankenkreis, liebe Gemeinde. Was ist am Ende weise?
Es geht Paulus um das Bild vom Menschen, das sich in der christlichen Gemeinde zeigt. Und das muss angebunden sein an das Bild, das Gott von sich selber gibt, als er Mensch wird. Es geht also um das christliche Menschenbild. Allerdings glaube ich, dass es etwas anders aussieht als jenes, das die politische Klasse vor Augen hat, wenn sie davon redet. Durch dieses Menschenbild muss nämlich das Bild des gekreuzigten und auferstandenen Jesus, den wir als den Christus bekennen, hindurch schimmern:
Der zählte die Unansehnlichen, von Krankheit Geschlagenen und von Schuld gezeichneten zu seinen Lieblingen.
Der nahm die Ausgestoßenen und von der guten Gesellschaft Verachteten an und hielt Tischgemeinschaft mit ihnen.
Der entlastete die Mühseligen und Beladenen, die sich kaum noch aus eigener Kraft auf den Beinen halten konnten, und nicht gerade die so genannten Leistungsträger.
Der liebte ohne Grenzen und hielt am Ende Liebe und Treue durch, auch als es ihn den Kopf kostete, den die Starken und Klugen zuvor noch mit einer Dornenkrone geschmückt hatten.
Um ihn und seine Art zu lieben geht es Paulus. Seine Liebe macht unsere ganze Bedürftigkeit deutlich, ganz egal, welchen Bildungsstand wir haben und welche gesellschaftliche Position wir einnehmen mögen. Es geht um die 1. Seligpreisung, die so oft mißverstanden worden ist in dem Sinne, dass das Himmelreich den im Geiste Armen vorbehalten sei. Gemeint sind aber die,
die vor Gott mit leeren Händen stehen;
die wissen, dass sie von sich aus nichts wissen, wenn es um die Rettung der Welt geht, ja, nicht einmal wenn um das eigene Leben geht;
die ihre Schuld und ihr Versagen nicht mehr verbergen müssen oder mit nichts sagenden Worten jämmerlich zu übertünchen suchen, nur um angeblich keine Schwäche zeigen zu müssen. Sie sind armseliger als alle Hirten von Bethlehem zusammen.
Auf diesem Hintergrund bleibt einem der Selbstruhm und das Eigenlob, das sprichwörtlich ja entsetzlich stinkt, im Halse stecken.
Nein, liebe Gemeinde, ich möchte es mit Paulus sagen: Dass ich zu diesem Herrn Jesus Christus gehören darf und dass er mein Leitstern ist und nichts und niemand sonst, das ist mein Ruhm. Und der Ihre, liebe Gemeinde soll und darf es auch sein, heute und morgen und durch das ganze Neue Jahr.
Amen

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Erstellt am: 14.01.2014 13:40 Uhr

Fest der Taufe des Herrn 2014 (12.01.)

L I: Jes 42, 5a.1-4.6-7 / Ev.: Mt 3, 13-17
Schwestern und Brüder!
Kennen Sie das auch? Da sagt jemand: „Bitte, nach Ihnen!“ und Sie möchten höflich sein und antworten: „Aber nein doch, bitte nach Ihnen!“ und vor lauter Rücksichtnahme traut sich keines von beiden, den nächsten Schritt zu tun. Andererseits gibt es aber auch das Umgekehrte: nämlich dass sich jede und jeder für wichtiger und vornehmer hält als das Gegenüber und deshalb niemand bereit ist, dem oder der anderen den Vortritt zu lassen. Und wenn Sie jetzt glauben, dass wir bereits alle Möglichkeiten durchgespielt hätten, dann muss ich Sie enttäuschen. Denn eine ganz wichtige Gruppe darf dabei nicht vergessen werden; das ist die, die man mit „falscher Bescheidenheit“ betiteln könnte. In diese Rubrik fallen jene Menschen, die sich demonstrativ auf die letzten Plätze stellen, um sich aber insgeheim zu erhoffen, man möge sie doch bitte vor allen anderen nach vorne holen oder sie zumindest namentlich erwähnen. So hat man dann wirklich alle nur denkbare Aufmerksamkeit auf sich gezogen – von wegen: Bescheidenheit!
Was nun Johannes der Täufer am Jordan im Dialog mit Jesus tut, das sieht auf den ersten Blick so aus wie diese falsche Bescheidenheit. Aber ein bescheidener Mensch war Johannes ja weiß Gott nicht. Im Gegenteil: Dieser Rufer in der Wüste strotzte geradezu vor Selbstbewusstsein. Wie hat er offen und unverblümt den Vornehmsten der Vornehmen und den Frömmsten der Frommen ihre Fehler und Verfehlungen, ja teilweise ihre Heuchelei vorgehalten und sie in aller Öffentlichkeit mit deutlichen Worten zur Umkehr ermahnt. Nein, da hat er niemals ein Blatt vor den Mund genommen und schließlich ist ihm ja genau diese Offenheit und Direktheit zum Verhängnis geworden. Hier aber, als Jesus da so unmittelbar vor ihm steht, da tut er plötzlich ganz bescheiden: „Ich müsste von dir getauft werden, und du kommst zu mir?“ Wer den Täufer kennt spürt, dass dies nun aber keine falsche Bescheidenheit von ihm ist, sondern tatsächliche Betroffenheit. Johannes tauft die Menschen ja als Zeichen für ihre Umkehr, als Zeichen dafür, dass sie neu und ohne Schuld weiterleben sollen und dürfen. Und dabei weiß er ganz genau, dass kein Mensch ohne Schuld ist, auch er selbst nicht. Doch der, der da jetzt vor ihm steht, der ist wirklich ohne Schuld – oder wie es Paulus im Hebräerbrief formuliert, der ist „in allem uns gleich außer der Sünde“ – und der bittet ihn jetzt um die gleiche Handlung? Ich kann das gut nachvollziehen, dass Johannes da in einen inneren Zwiespalt gerät. Gerade weil er ein Mensch mit gesundem Selbstbewusstsein ist, weiß er auch um seine Grenzen und kann deshalb ohne Schauspielerei oder falsche Hintergedanken sagen: „Nein, nicht ich, sondern du müsstest mich taufen!“
Es ist ja schon eine interessante Frage – auch für uns – weshalb Jesus um diese Bußtaufe bittet. Selbst Theologen sind darüber recht unterschiedlicher Auffassung. So sagen die einen, er wollte damit nur seine Demut beweisen, andere wiederum erkennen darin ein Zeichen der Solidarität gegenüber seinen Mitmenschen und wieder andere sagen: Diese Begebenheit war eher ein Versehen Jesu, weshalb er später auch auf Distanz zu Johannes gegangen sei. Solche Überlegungen sind gut und schön, aber ich für meinen Teil denke: Wenn für Jesus in seinem Leben alles so glasklar gewesen wäre wie wir immer meinen, dann hätte er sich dieser Prozedur nicht unterziehen müssen. Deshalb möchte ich vielmehr ernst nehmen, was wir vor wenigen Tagen gefeiert haben – nämlich die Menschwerdung Gottes in diesem Jesus von Nazareth. Und zu diesem Menschsein, da gehören nun mal nicht nur Geburt und Tod, sondern auch „Versuch und Irrtum“. Und wir wissen ja nun so gut wie nichts vom Leben Jesu bis zu diesem, wahrscheinlich fast dreißigsten Lebensjahr, an dem er die Taufe empfängt. Aber hier, bei seiner Taufe, da erfährt Jesus den Himmel offen und erst jetzt erkennt er, wer er in Wahrheit ist: „Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.“
Den Himmel offen sehen. Ich frage mich: Wo haben Menschen heute diese Chance? Wo können sie für sich den Himmel offen sehen? Als Kind kann ich mich erinnern, wurde mir eher beigebracht, wie schnell die Pforten der Hölle sich für mich auftun – aber der Himmel? Erst später lernte ich dann etwas mehr über ihn, als es um die Frage ging: „Wozu sind wir auf Erden?“ Und die Antwort lautete: „Um den Willen Gottes zu erfüllen und dadurch in den Himmel zu kommen.“ Nur: auf diese Weise war das Ziel nicht unbedingt attraktiv und im Gegensatz zur Hölle fehlte jedwede einladende Beschreibung dazu. Wo also haben Menschen die Chance, den Himmel offen zu sehen? Und ich für meinen Teil habe gelernt: Nur in einer christlichen Gemeinde, die diesen Himmel spürbar offen hält. In einer Gemeinde, die das Evangelium Jesu nicht nur verkündigt, sondern jeden Tag aufs Neue zu leben versucht und dabei vor allem den Menschen, der am Rande steht und Hilfe braucht, nicht aus den Augen verliert.
Genau das zeigt aber auch die Taufe Jesu für mich. Er zeigt sich darin solidarisch mit all den Menschen, die beladen und belastet an den Jordan gezogen sind, weil sie eben keinen offenen Himmel mehr für sich und ihr Leben erkennen konnten. Jesus stellt sich in ein und dieselbe Reihe mit ihnen um zu zeigen: Auch über euch geht der Himmel auf, den so manch Fromme gerne für sich allein reserviert hätten. In seiner Taufe macht Jesus also deutlich, dass er hier nicht nur seine ureigene Berufung erkennt, sondern dass jeder Mensch von Gott eine Berufung bekommen hat, und dass es gilt, diese auch an- und wahrzunehmen. Er stellt gegenüber Johannes und vor allen anderen Menschen klar: Ihr dürft nicht erwarten, dass Gott jetzt, nachdem er quasi selbst in die Welt gekommen ist, alles in seine Hand nimmt und für euch regelt. Nein, Gott will vielmehr, dass auch ihr weiterhin euren Beitrag dazu leistet, dass diese Welt in einen Ort der Gerechtigkeit und des Friedens verwandelt wird; in einen Ort, an dem jede und jeder angenommen wird und beheimatet ist.
Wie also können wir heute den Auftrag Jesu ernstnehmen und als Kirche diesen offenen Himmel sichtbar und erfahrbar machen? Ich meine, in dem wir als Kirche ein Ort sind, an dem Begegnungen stattfinden können; ein Ort, an dem menschliche Zuwendung, Nähe, Wärme und eine positive Zuneigung für jede und jeden zu finden ist. Ein Ort, an dem die Menschen sich angenommen wissen und fühlen: Hier bin ich willkommen, so wie ich bin – und wo sie nicht zuerst irgendwelchen Zwängen ausgesetzt sind. Ein Ort, an dem sie nicht nur Antworten auf die Frage nach dem Sinn des Lebens bekommen, sondern sich mit anderen auf den Weg machen, diesen Sinn des Lebens immer wieder neu zu entdecken. Solange wir uns als Kirche wie ein Zug verhalten, der mit geschlossenen und abgedunkelten Fenstern durch die Landschaft fährt, damit wir die Welt nicht wahrnehmen und der mit versperrten Türen an den Stationen hält, damit die böse Welt ja draußen bleibt, kann das nicht funktionieren. Die Tatsache, dass Gott in der Person Jesu in diese Welt gekommen ist, will aber unser Selbstbewusstsein genau in der Hinsicht stärken, dass wir uns um die „Zeichen des offenen Himmels“ – um offene Fenster und Türen – bemühen.
Jesus hat sich nämlich auch deshalb im Jordan taufen lassen, dass wir – Sie und ich begreifen – was in seiner Taufe passiert, das ist auch bei unserer Taufe passiert. So wie Gott damals zu Jesus gesprochen hat: Dies ist mein geliebter Sohn, so hat er auch zu uns in unserer Taufe gesprochen: „Dies ist meine geliebte Tochter, mein geliebter Sohn!“ Es ist das bedingungslose „JA“ Gottes zu Ihnen und mir. Deshalb heißen wir ja auch zu Recht „Kinder Gottes“, weil ER uns angenommen und JA zu uns gesagt hat:
Ein JA, das nicht an religiösen oder nationalen Grenzen endet;
Ein JA, das keine hohlen und keine leeren Versprechungen macht;
Ein JA, das uns wieder aufrichtet, wenn wir am Boden sind;
Ein JA, das die vielen Bruchstücke unseres Lebens zu einem heilen Ganzen zusammenfügt;
Ein JA, das unseren Blindheiten und auch Verblendungen die Augen des Herzens, die Augen der Liebe öffnet;
Ein JA, das uns aus Enge, Lähmung, Blockade und Gewalt frei macht und uns den offenen Himmel sehen lässt;
Ein JA, das uns schließlich ermutigt, unsere ganz persönliche Antwort auf sein JA zu geben.
Mit diesem JA Gottes zu uns haben wir aber nicht nur eine unvergleichliche Würde, sondern auch eine große Verantwortung übertragen bekommen; einer Verantwortung, die das Reich Gottes – den offenen Himmel – in dieser Welt sichtbar machen soll. Wir können diese Verantwortung nicht einfach mehr auf Gott abschieben nach dem Motto: „Bitte nach Ihnen!“, nein – wir sind mitverantwortlich, dass sich sein Wort auch heute erfüllt – durch unser JA zu ihm.
Dieses unser JA gelingt uns nicht immer, das wissen sie genauso gut wie ich! Aber wir dürfen und wir können es immer wieder neu versuchen. Auch dazu sagt Gott JA – ohne Wenn und Aber. Amen.

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Erstellt am: 14.01.2014 13:37 Uhr

Zündfunke, 12.01.14

Andrea Bolz, Deutschsprachige Kath. Gemeinde in Puerto de la Cruz
Einen wunderschönen Sonntagmorgen, liebe Schwestern und Brüder!
Ein jüdischer Lehrer hat einmal gesagt:„Sei nie so beschäftigt, dass dir das Wunderbare und Erstaunliche, das Schöne und Gute des heutigen Tages entgeht. Begrüße ehrfürchtig jeden neuen Tag!“ Für die meisten getriebenen Zeitgenossen unserer Tage fast nicht nachvollziehbar. Aber vielleicht stimmt es gerade deshalb. Denn dadurch werde ich eingeladen, den Augenblick, das Jetzt und Heute ernst zu nehmen.
Nostalgisch von einer vermeintlich „guten alten Zeit“ zu träumen – das frustriert und enttäuscht ebenso sehr, wie wenn ich alles von einer fernen Zukunft erwarten wollte: Später, wenn ich einmal Zeit habe; wenn ich in Rente bin; wenn sich die Zeiten gebessert haben. Was ich jetzt nicht einübe, das werde ich später – sofern ich es überhaupt erlebe – auch nicht tun. So versäume ich das Heute und täusche mich über Gestern und Morgen.
Die besten Gelegenheiten des Lebens liegen nun mal nicht im Gestern. Die besten Gelegenheiten garantiert auch nicht das Morgen. Die besten Gelegenheiten warten jetzt und heute auf mich. Auf das Heute möchte ich achten, die Chance des Augenblicks möchte ich ergreifen. In dem, was ich gerade tue, will ich ganz bei der Sache sein. Die vielen kleinen Augenblicke möchte ich entdecken und wahrnehmen.
Ich möchte mir das gerne zu Eigen machen, obwohl ich weiß, dass es mir nicht immer gelingen wird:
Das Gestern ist Geschichte.
Das Morgen ist Geheimnis.
Das Heute ist Geschenk und die einzige Zeit, die mir wirklich gehört.
Bei dem unvergessenen Papst Johannes XXIII. habe ich nachfolgende Gedanken gelesen, die für mich ganz gut an den Beginn eines neuen Jahres passen, wo? man sich doch immer so viel an Veränderungen vornimmt:

Nur heute – möchte ich nicht die anderen und die Welt verbessern,
aber mich und meine Sicht der Dinge.

Nur heute – möchte ich mich an kleinen Dingen freuen können
und etwas Glück verspüren.

Nur heute – möchte ich mir ein paar Minuten Zeit nehmen, um stille
zu werden, um nachzudenken über mich, die Mitmenschen,
die Zeit – und um dabei an Gott zu denken.

Nur heute – möchte ich etwas Gutes tun und es nicht gleich an die große
Glocke hängen.

Nur heute – möchte ich mich vor zweierlei hüten: vor der Hektik und vor
der Unentschlossenheit.

Nur heute – möchte ich vertrauen, dass Gott mich hält und mich nicht
fallen lässt, was auch immer passiert.

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Erstellt am: 14.01.2014 13:36 Uhr

Zündfunke, 09.01.14

Andrea Bolz, Deutschsprachige Kath. Gemeinde in Puerto de la Cruz
Einen wunderschönen guten Morgen, liebe Schwestern und Brüder!
Erziehen heißt, jemandes Geist und Charakter, und in dem speziellen Fall in der Regel die eigenen Kinder, zu bilden und ihre Entwicklung zu fördern. Das heißt, soziales Handeln soll erlernt und die Ausbildung der eigenen Persönlichkeit unterstützt werden. Und das allerwichtigste überhaupt – die Erfahrungen, die gemacht werden, sollten nicht nur alleine gemacht werden. Und genau da scheint mir das Problem in unserer Zeit zu liegen. Ich kann meinen Kindern eine wirklich gute Erziehung zukommen lassen, in speziellen Schulen, mit teuren Kursen in der Freizeit, die ihnen ein wirklich vielfältiges Erlernen von allem möglichen bieten. Aber was bekommt mein Kind denn dadurch vermittelt: Ich werde irgendwo hin gebracht um später dann dort wieder abgeholt zu werden, zum Erzählen über das Erlebte bleibt meist gar keine Zeit. Ergo: Ich habe niemanden, der an meinen Erfahrungen Anteil nimmt, der mit mir meine Erfahrungen teilt. Am deutlichsten wird dies in der jüngsten Vergangenheit bei der religiösen Erziehung der Kinder. Nicht nur, dass die Eltern aufgrund der eigenen fehlenden Religiosität ihren Kindern nicht mehr selbst genügend Wegweiser sein können, nein, durch die nur sporadische Teilnahme an bestimmten Lebensmittelpunkten signalisieren sie damit ja auch ihren Kindern, dass ihnen all das nicht wichtig ist. Religiöse Erziehung kann den Raum eines Kindes ausfüllen, denn jedes Kind entwickelt in sich eine Sehnsucht nach dem „Mehr“, und möchte über gewisse Grenzen hinaus Antworten haben. Religiöse Erziehung, die diesen Namen verdient, zeigt gute Wirkung. Natürlich gibt es wie überall auch in diesem Zusammenhang Verletzungen. Und dies muss sogar benannt werden. Das geschieht dort zu Recht, wo Religion als Mittel zur Disziplinierung missbraucht wird, Gott zum Oberdompteur der Welt verkommt und Väter und Mütter Gottes Autorität für sich beanspruchen, wo sie selbst als erziehende Persönlichkeit keinen anderen Ausweg mehr wissen. Das allerdings ist keine religiöse Erziehung, dies ist ein Machtspiel mit unguten Folgen.
Erziehung heißt in allen Lebenslagen Vorbild sein: Religiöse Erziehung braucht Beispiele, die belegen, dass es nicht nur um Leistung im Leben geht. Es ist gut, wenn gerade unsere Kinder in der heutigen Zeit solche Vorbilder haben, es dürfen gerne auch berühmte Vorbilder sein; schöner, besser und effektiver aber wäre es, diese Vorbilder wären die eigenen Eltern.

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Erstellt am: 11.01.2014 14:33 Uhr

Winter auf Teneriffa

Winter auf Teneriffa und voraussichtlich auch weiterhin niedrige Temperaturen, lassen die Inselregierung davon ausgehen, dass es auch in den nächsten Stunden und Tagen im Gebiet um den Teide wieder schneien wird. Die Zufahrten über die TF-21 La Orotava und die TF-38 Chio bleiben bis auf weiteres gesperrt. Man appelliert an die Bevölkerung und Touristen diese Sperrungen zu respektieren um sich nicht in Gefahr zu begeben und die Räumarbeiten des Winterdienstes nicht zu behindern.
Die Zufahrt über Vilaflor ist mittlerweile wieder geöffnet. Die Zufahrt über die TF-24 La Esperanza ist wegen Bauarbeiten nach den letzten Unwettern im Dezember weiterhin gesperrt. Die Weiterfahrt in das Naturschutzgebiet Las Cañadas ist derzeit von keiner Zufahrt möglich.

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Erstellt am: 11.01.2014 14:28 Uhr

Wichtige Rufnummern in Puerto de la Cruz

Puerto de la Cruz Stadtrat 922378400

lokale Polizei von Puerto de la Cruz 922378487

Taxi-Service 922 378 999
TITSA Informationen 922 531 300
Norte Los Rodeos Flughafen 922635999
Sur Reina Sofia Flughafen 922 759 000
Nationalpolizei 922 376 820
Guardia Civil 922 378 000
Aqualia 922 376 771
Feuer 922 330 080
Depsa Unelco 922373408
C.IT 922370243
Beitrag 922385805
H.UC 922678000
Senior Center 922380754
Helm Ambulante 922389541
Ambulante Spec 922389834
Ambulante La Vera 922378242
Sufi-Tarajal. 922383664
Court Nr. 1 922366110
Gerichts Nr. 2 922366120
Gerichts Nr. 3 922389800
Dienst Kinder 922378085
Rotes Kreuz 922383812
Inem 922378118
Loro Parque 922374081
Objekt Registrierung 922386353
Drogensucht 922385557
Pamarsa 922372070

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Erstellt am: 11.01.2014 14:06 Uhr

Zündfunke, 08.01.14

Andrea Bolz, Deutschsprachige Kath. Gemeinde in Puerto de la Cruz
Einen wunderschönen guten Morgen, liebe Schwestern und Brüder!
„Bescheidenheit ist eine Zier“, so sagte man früher in einem Sprichwort.
Und damals meinte man es auch so:
Bescheidenheit, das war eine besondere Art, vornehm zu sein. Vertrauenspersonen waren das: durch und durch integer, zuverlässig, sozial.
Denn: Bescheidene Menschen dachten an die Zukunft, an die, die nachkommen – ebenso wie an die, die weniger haben, Beistand und Hilfe brauchen.
„Bescheidenheit ist eine Zier!“
Wer heute „bescheiden“ sagt, meint meistens etwas anderes. Mir geht’s „bescheiden“ heißt heute: Es ist mir schon mal viel besser gegangen, und dem traure ich jetzt nach. Ich fühl’ mich wie der letzte Dreck. Schlimmer kann’s kaum noch kommen!
Die Werbung fährt voll drauf ab: Bescheiden, das ist dumm und armselig.
„Warum mit weniger zufrieden sein?“, das ist ihr Motto. Fordern statt fördern!
Geil sein, das ist die moderne Tugend, also das Gegenteil von bescheiden, nämlich: gierig. Mit möglichst wenig Aufwand viel, oder sogar das meiste und beste ergattern.
„Bescheidenheit ist eine Zier“, der Spruch ist längst erweitert worden mit dem Satz: „doch weiter kommt man ohne ihr“.
Aus der Vornehmheit der früheren Tage ist inzwischen „der letzte Dreck“ geworden.
Eine fatale Entwicklung: Denn: Was bleibt, wenn all die Rücksichtslosen sich für die kurze Zeit ihres Lebens total austoben?
Was ist mit der Verpflichtung, die wir gegenüber unseren Nachkommen haben – wer hält sie noch hoch und schützt sie, so, dass es den nächsten Generationen auch noch gut gehen kann?
Wer denkt an die Verantwortung, die wir gegenüber den Schwächeren haben?
Das Recht aller, einen Platz im Leben zu finden und eine wirklich gerechte Lebenschance zu erhalten?
Es wäre von überaus großer Wichtigkeit, die Bescheidenheit wieder mehr ins Bewusstsein zu rücken, die Bescheidenheit, die nichts mit Dummheit sondern mit Größe und Verstand zu tun hat.
Nicht alles, was einmal war, ist heute „altmodisch“ und unbrauchbar.
Bescheidenheit? Ja! Bescheidenheit lehrt uns das Genießen, das Dankbar sein, das sich beschenkt und getragen fühlen Wenn ich so leben kann – gehe ich behutsam, gelassen und dankbar mit meinem Leben um.

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Erstellt am: 11.01.2014 13:59 Uhr

Zündfunke, 07.01.14

Andrea Bolz, Deutschsprachige Kath. Gemeinde in Puerto de la Cruz
Guten Morgen, liebe Schwestern und Brüder!
Die Vorzeichen sind wichtig und alles entscheidend. Das lernen bereits die Schüler im Mathematikunterricht. Das Ergebnis von Zahlen, die zusammen gezählt oder von einander abgezogen werden, hängt ab von dem Vorzeichen, das vor der Klammer steht: plus oder minus. Das Vorzeichen zu beachten ist wichtig. Wer Musik macht, wer singt oder ein Instrument spielt, beginnt immer mit dem Blick auf die Vorzeichen. Entsprechend klingt dann auch die Musik: freudig und fröhlich, oder getragen und schwer. Das Vorzeichen ist wichtig, auch wenn es um eine Begegnung, um eine Freundschaft geht. Ich vertraue mich anderen an, ich öffne mich mit meinen geheimsten Wünschen und Hoffnungen, ich teile Freizeit und sogar Eigentum mit anderen. Wenn das Vorzeichen des Ganzen nur mein eigenes Interesse, nur meine Karriere, mein Streben nach Macht ist, wenn ich andere nur dazu benutze, mich selbst durchzusetzen, dann ist die ganze Beziehung davon geprägt, und steht unter keinem guten Vorzeichen. Wenn das Vorzeichen aber Liebe und Vertrauen ist und die Bereitschaft, wirklich in Solidarität mit einander in einer gelingenden Gemeinschaft zu leben, dann wird etwas anderes daraus. Das Vorzeichen ist wichtig: „Tut eure Arbeit gern, als wäre sie für den Herrn und nicht für Menschen“, so lautet ein Satz des Heiligen Paulus. Und dieser Satz hat auch für uns heute nichts an seiner Bedeutung verloren. Alles was wir tun, soll im Namen Jesu, in seinem Geist geschehen. Wenn wir uns um Gebrechliche und alte Menschen kümmern und für sie beschütztes Wohnen und Pflegedienste einrichten, soll es euch nicht nur um die eigene Ehre gehen, sondern darum, nach dem Vorbild Jesu zu handeln.  Wenn wir uns in unseren Kirchen und Gemeindehäusern treffen, soll es nicht nur um den Erhalt von Strukturen und um Geld gehen, sondern darum, wie unser gemeinsamer Glaube uns in unserem menschlichen Miteinander trägt. Die Vorzeichen sind wichtig; auch in meinem persönlichen Leben. Natürlich spielen mein Ehrgeiz, mein Ruf und meine Interessen immer auch eine wichtige Rolle. Aber wenn dies alles von Herzen und aus einem großen Vertrauen auf Gott heraus kommt, dann ist da noch mehr. Diese Vorzeichen machen mich großzügig und großherzig. Ist Geduld mein Vorzeichen, dann lasse ich einem unbeholfenen, umständlichen Menschen länger Zeit, mir ausführlich zu erklären, welche Probleme er hat. Ist Liebe mein Vorzeichen im Umgang mit anderen, dann darf mein Gegenüber Fehler machen, dann sind all die kleinen Aufmerksamkeiten, Zeichen und Gesten von überaus großer Bedeutung. Vorzeichen sind wichtig, allerdings können sie sich auch mal auflösen und zum Urton werden, in der Musik und im täglichen Leben, und dann ist allerdings etwas Konzentration gefragt!

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Erstellt am: 11.01.2014 13:57 Uhr

PREDIGT AM 2. SONNTAG NACH WEIHNACHTEN 2014

Liebe Gemeinde,
Ein Licht und ein Stern – das sind die beiden Bilder von Weihnachten her zum Epiphaniastag. Das eine stammt aus dem Evangelium von den Sterndeutern aus dem Morgenland und lautet: Als sie den Stern sahen, waren sie hoch erfreut. Und das andere aus dem Propheten Jesaja, einem der Predigttexte für den heutigen Sonntag: Mache dich auf, werde Licht, denn dein Licht kommt.
Mir ist ein Licht aufgegangen – so sagt jemand, dem plötzlich etwas deutlich geworden ist. Unsicherheit und Unklarheit sind vorbei. Zweifel sind an den Rand gedrückt worden, und Zuversicht hat Platz gegriffen. Das kann passieren, ist auch mir schon passiert. Dann wird das Leben auf einmal hell. Lange bin ich im Dunkeln getappt, wusste nicht, wohin es gehen sollte mit mir oder denen, die ganz nah zu mir gehörten und überhaupt. Vielfältig können solche Erfahrungen sein.
Ich denke dabei an einen Schüler, der über einer Klausur geradezu verzweifelt. Eine Lösung ist gefordert. Der Weg dorthin aber scheint wie mit Brettern vernagelt. Alles, was er sich einmal angeeignet oder sogar mühsam erarbeitet hatte, ist plötzlich vergessen oder in einem regelrechten Nebel verschwunden. Aber plötzlich geht ihm ein Licht auf. Er erinnert sich. Mensch, das war doch gar nicht so schwer. Da gab es doch einen ganz klaren Weg, um zur Lösung zu kommen. Und wie befreit schreibt er los, rechnet nach, überprüft und die gute Klausurnote ist gerettet. Mensch, mir ist noch rechtzeitig ein Licht aufgegangen, so kann er den anderen erzählen, und die Erleichterung ist regelrecht zu spüren.
Mein Leben steht unter einem guten Stern. So sagt ein Mensch, der im Nachdenken über seine Biographie und wie sie verlaufen ist, zu einem positiven Ergebnis kommt. Da sind viele Dinge gelungen. Eine Menge Probleme in guter Weise gelöst worden. Dankbar denkt da jemand zurück. Mit der Schule hat es eigentlich problemlos geklappt. Auch die Berufswahl war richtig und vor allen Dingen erfolgreich. Eigentlich ging es stetig voran. Mal ein wenig schneller, dann wieder langsamer und wenn Stillstand, dann auf einem guten Niveau.
Die richtige Partnerin, der richtige Partner, kreuzte den Weg. Eine Familie konnte gegründet werden. Kinder in einer guten Entwicklung wurden begleitet. Und nun ist auch noch der letzte Lebensabschnitt einigermaßen gesichert. Zukunftsängste haben keinen Raum. Ein Leben unter einem guten Stern, der auch noch die etwas dunkleren Lebensphasen, die ja eigentlich niemanden erspart bleiben, überstehen ließ. Ein Lichtzeichen kam immer, und der Weg konnte fortgesetzt werden. Schön, wenn ein Mensch das so sagen kann: Mein Leben steht unter einem guten Stern.
Aber das geht ja nicht immer so. Das kann ja ganz anders kommen. Da kann ja die Dunkelheit über einen herfallen. Und es ereignen sich Lebensphasen, die einem vorkommen, als wenn man zu Fuß unterwegs ist in finsterer Nacht, keine Weg- oder Straßenbeleuchtung und kein Stern am Himmel. Da muss einer aufpassen, dass er nicht gänzlich in die Irre geht. Nichts ist mehr klar, alles verschwimmt. Auch in einem übertragenen Sinn:
Wünsche bleiben unerfüllt. Gesetzte Ziele sind unerreichbar. Kräfte schwinden. Durch fast jede Rechnung, mit noch so viel Mühe aufgesetzt, wird ein Strich gemacht.
Und da hilft nur eines, und diese Hilfe kann in der Regel nur von außen kommen: Die Dinge ins rechte Licht setzen
Dieses Bild ist mir stets als besonders wirksam vorgekommen. Vielleicht stammt es ja aus folgender Situation:
Da möchte jemand seinen Boden oder seinen Keller einmal gründlich aufräumen. Die Dinge, darunter sicherlich auch manches Gerümpel, stehen irgendwie in halbdunklen Ecken herum. Man kann sie kaum richtig erkennen, ihren Wert oder Unwert schon gar nicht. Man muss sie aus dem Halbdunkel herausheben oder – tragen und ins Licht setzen. Entweder an ein Fenster stellen oder unter eine Beleuchtung. Nach und nach erschließt sich dann die Bedeutung der einzelnen Stücke. Ins rechte Licht gesetzt, kann ich entscheiden: Das möchte ich behalten und jenes gehört auf den nächsten Sperrmüll. So sortiert sich – ins rechte Licht gesetzt – wichtiges und des Bewahrens Wertes von wertlosem Gerümpel. Das will ich behalten, das kann weg. Vielleicht wird dabei sogar der eine oder andere Schatz entdeckt, den man gar nicht vermutet hatte.
Solches Aufräumen und ins rechte Licht setzen ist gelegentlich auch ganz persönlich und in übertragenem Sinne sinnvoll. Es geschieht dann in den verborgenen Ecken und Winkeln meines tiefen Inneren. Da kann sich so manches ansammeln an
Unschönen Verhaltensweisen, die zu ändern ich mir doch so oft vorgenommen habe.
Nicht eingelöste Versprechen oder Zusagen, die vielleicht ein wenig unbedacht gemacht habe, die aber im Verhältnis zu anderen und mir selbst belastend sind.
Eigenarten, die ich oft schon abgelegt zu haben meinte, die aber dennoch in dunklen Winkeln meiner Seele ihr Unwesen treiben.
Auch an Schuld, für die ich schon immer um Verzeihung bitten wollte, die aber ungeklärt zwischen mir und anderen, auch Gott steht.
Jeder und jede von uns mag da einmal nachschauen. Es gibt eben nicht nur Gerümpel auf dem Dachboden oder im Keller, sondern auch in der Seele. Und Vielleicht entdecke ich beim dortigen Aufräumen sogar den einen oder anderen Schatz, den ich vergessen hatte. Für alles aber gilt: Es muss Licht her. Wie kann das geschehen?
Wir brauchen eine Lichtquelle
Den Weisen aus dem Morgenland wurde ein Stern geschenkt und der Prophet sagt nach der Aufforderung: Mache dich auf, werde licht, den bedeutungsvollen Satz: Dein Licht kommt. Die Weisen begeben sich auf der Suche nach einem Retter sogar auf das Terrain jenseits ihres angestammten Glaubens und ihrer Kultur. Die weltweite Bedeutung des Kommens Jesu ist damit angedeutet. Die Hörer des Propheten Jesaja sitzen noch ganz und gar im Dunkeln. Finsternis um und um und Dunkelheit auch über der Völkerwelt. Woher kann Rettung kommen?
Über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir, sagt der Prophet. Und was für eine Herrlichkeit. Ganz und gar anders als die in der Welt übliche. Die ist geprägt von Macht und militärischer Gewalt oder von Geld und unendlichem Besitz. Und neuerdings ist sie ganz und gar anonym. Die Herrlichkeit und der Glanz der Märkte darf nicht angetastet werden, so wenig wie nur eben möglich reguliert, sonst reagieren sie böse und das kann übel enden. Da wird man schnell in seiner Wertigkeit herabgestuft und landet vielleicht sogar auf einem prekären Müllhaufen, denn die Konkurrenz ist groß, und die stärksten Ellenbogen behalten das Feld.
Die Herrlichkeit des Herrn und sein Glanz sind da von ganz anderer Art. In seinem Licht finden die Menschen zu einander. Sie kommen aus allen Ecken und Winkeln heraus, angezogen von diesem Licht. Werden Söhne und Töchter genannt, sind also untereinander Brüder und Schwestern, leben in einer geschwisterlichen Welt. Alle Grenzen werden überschritten, niemand wir ausgegrenzt, keiner verstoßen. Ein grandioses Bild einer weltweiten Hoffnung.
Mit dieser Hoffnung im Herzen haben die Hörer des Propheten Jesaja ihr zerstörtes Land wieder aufgebaut, den Tempel neu errichtet, Weinberge und Olivenplantagen gepflanzt, Weizenäcker bestellt, Vieh gezüchtet bis es große Herden bildete. Leben unter einem guten Stern wird verheißen und zumindest teilweise realisiert.
Doch schon während ich dieses Bild male, wird mir bewusst, wie bedroht wie zerbrechlich der hoffnungsvolle Neuanfang war und wohl auch immer wieder ist. Es hat ja nicht lange gehalten. Schon bald wurde dieser kleine fruchtbare Landstrich an der Ostküste des Mittelmeers wieder zum Spielball vor Waffen starrender Mächte und ist es bis heute geblieben.
Zur Zeit der Weisen aus dem Morgenland aber leuchtet nun ein ganz besonderes Licht am Horizont der Völker, die im Dunkel leben und dem Erdreich, das an so vielen Stellen von Finsternis bedeckt ist, auf. Es kommt nicht grell oder marktschreierisch daher. Es leuchtet auf im Angesicht eines Kindes, das in erbärmlichen Verhältnissen geboren worden ist. Und es erscheint ebenso erbärmlichen Gestalten, die als abhängige Knechte die Herden fremder Eigentümer bewachen. Den Weisen aber geht endgültig ein Licht auf und sie werden hocherfreut. Den Hirten wird die Angst genommen und Freude zieht bei ihnen ein. Und so wird es weitergehen im Leben dieses Kindes, das zum Erwachsenen heranwächst. Immer wieder wird von ihm Angst und Frucht genommen werden:
Gebrechen werden geheilt Schuld wird vergeben werden Unwertes Lebens erhält eine ewige Würde Verlorene werden gesucht und gefunden Und am Ende wird sogar der Tod besiegt, diese absolute Macht der Finsternis. Ich lebe – und ihr sollt auch leben, sagt der Christus.
Und dann zieht Freude ein:
Bei dem Zöllner Zachäus, mit dem keiner sonst feiern möchte. Bei Maria und Martha, denen Jesus den Bruder wiedergibt. Auf dem Marktplatz bei der Frau, die die große Sünderin genannt wird, und Jesus bewahrt sie vor den tödlichen Steinwürfen der Selbstgerechten. Und auch bei den Jüngern, die nach Karfreitag verzweifelt sind über den Tod ihres Herrn und Meisters. Er befreit sie aus ihrer Lethargie mit dem Friedensgruß.
Man möchte meinen, Jesus habe zu Ihnen gesagt:
Ich setze Euch mal ein Licht auf. Und dies geschieht nicht irgendwie auf Befehl, sondern vielmehr einladend. Etwa so, wie der Prophet es sagt: Mache dich auf, werde licht. Diese Aufforderung ist ja die Folge davon, dass es einer hat hell werden lassen, uns ins rechte Licht gerückt und den verlorenen inneren Glanz wieder hergestellt hat. Wer sich ins Licht begibt, wird klar und hell. Oder wie Jesus es einmal sagt: Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern das Licht des Lebens haben.
Und dann kann es passieren, liebe Gemeinde, dass es ein wenig heller wird in unserer Welt, wenn wir uns erhellen und die Zumutung Jesu gefallen lassen, wenn er sagt: Ihr seid das Licht Welt. Hell wird es nur durch Menschen, die Träger göttlichen Lichtes sind. Und darum gilt gerade zum Epiphaniastag die fast banale Feststellung: Anstatt über die Finsternis zu klagen, sollten wir lieber ein Licht anzünden.
Amen

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Erstellt am: 11.01.2014 13:54 Uhr

Zündfunke, 06.01.14

Andrea Bolz, Deutschsprachige Kath. Gemeinde in Puerto de la Cruz
Einen wunderschönen guten Morgen liebe Schwestern, liebe Brüder.
Drei Weise, so erzählt das Matthäusevangelium, folgten einem Stern und fanden so das Je-suskind im Stall von Betlehem, den neugeborenen König der Juden. Sie beteten ihn an, brachten ihm ihre Geschenke und machten sich dann wieder auf die Heimreise ins ferne Morgenland. Das ist heute am sogenannten Dreikönigstag.
Aber da kam noch ein vierter König hinterher – zumindest nach einer Legende von Edzard Schaper: Dieser vierte König hatte zwar den Anschluss an die anderen verpasst, weil sein Reittier lahmte, aber er machte sich trotzdem auf den Weg. Nur leider – auch nach Betlehem kam er zu spät: Maria und Joseph waren mit dem Kind schon auf der Flucht nach Ägypten. Nach langer, mühsamer Reise kam auch er schließlich dort an – nur um hier zu erfahren, dass Jesus mit seinen Eltern schon längst wieder in die Heimat zurückgekehrt war. Aber er gab nicht auf. Schließlich war er mehr als dreißig lange Jahre auf der Suche nach Jesus un-terwegs: dabei ist er manchen Irrweg gegangen, wurde aufgehalten, verlor immer wieder das Ziel aus den Augen. Und die drei wertvollen Edelsteine, die er Jesus mitbringen wollte, hatte er längst an Menschen verschenkt, deren Unglück und Elend ihn angerührt hatten. Alt und müde geworden, kam er schließlich nach Jerusalem. Zufällig geriet er dort zur Hinrichtungsstätte – genau in dem Moment, als Jesus am Kreuz starb.
Dieser vierte König ist also ein richtiger Pechvogel, ein typischer Loser: Immer zu spät, im-mer auf der Verliererseite, kriegt nichts auf die Reihe. Mit dem Tod Jesu scheint sein Schei-tern endgültig besiegelt zu sein: Er hat es nicht geschafft, Jesus zu treffen. Die ganzen Stra-pazen, alles Bemühen – so sieht es aus – umsonst.
Aber die Legende ist noch nicht ganz zu Ende: Im Angesicht des Kreuzes Jesu und den eige-nen Tod vor Augen – so wird erzählt -, wird diesem König offenbar, dass sein langes Suchen, sein Leben doch nicht vergeblich war: er erfährt, dass er schon unterwegs Jesus begegnet ist – immer dann, wenn er Trauernde getröstet, wenn er Notleidenden geholfen hat (vgl. Mt 25,35-40).
So wie bei diesem König kann die Suche nach Gott eben auch aussehen: Da ist kein Stern, der einen leitet. Man kommt immer wieder vom rechten Weg ab, vergisst sein Ziel, lässt sich ablenken oder aufhalten. Man muss ohne erhebende religiöse Erfahrungen, ohne Sternstunden des Glaubens und großartige Offenbarungserlebnisse auskommen. Und möglicherweise ist man ‚lebenslänglich‘ unterwegs – ohne sichtlichen Erfolg. Und doch: Wer ein Herz hat für Menschen in Elend und Not, wer sich derer annimmt, die auf der Schattenseite des Lebens stehen, der hat Gott schon gefunden. Den Königsweg zu Gott.

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Erstellt am: 11.01.2014 13:52 Uhr