Nachts bei Vollmond aufgenommen.
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Erstellt am: 18.12.2013 13:09 Uhr
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3. Advent, liebe Hörerinnen und Hörer. Dieser Sonntag ist in guter Tradition Johannes dem Täufer gewidmet. Von ihm wird gesagt, dass er ein Wegbereiter gewesen sei. Also jemand, der einem anderen das Feld bereitet, auf ihn hinweist, eine wichtige Ansage macht.
Matthias Grünewald hat ihn auf seinem wunderbaren Isenheimer Altar mit einem überlangen Zeigefinder ausgestattet, der von sich weg auf Christus weist. Seine Predigten müssen gewaltig gewesen sein. Menschen, die ihm zuhörten, kehrten von ihren Irrwegen auf einen guten neuen Weg um. Sie verließen die Pfade des Unrechts und der Bosheit und suchten Möglichkeiten für Gerechtigkeit und Güte. Und als er Jesus begegnete, da sagte er die großen Worte: Siehe, das ist Gottes Lamm, dass die Sünde der Welt wegträgt.
Das war die eine Seite seines Wirkens. Die andere hatte eine politische Dimension. Er sagte seinem König, der in der Tat eher ein Despot als ein fürsorglicher Landesvater war, seine Untaten mit klaren Worten mitten ins Gesicht. Johannes, der politische Prophet. Er selbst hatte keinerlei Machtambitionen, ihm ging es um sein geplagtes Volk, um Recht und Gerechtigkeit für jedermann. Dafür stand er ein und dafür hielt er im wahrsten Sinne des Wortes seinen Kopf hin. Als unbequemer Mahner wurde er durch Enthauptung hingerichtet.
Davor aber, als er im Gefängnis saß, gibt es eine Geschichte zwischen Johannes und Jesus. Johannes zweifelt daran, ob er dem Richtigen, also Jesus, den Weg bereitet hat. Jesus tröstet ihn mit einer guten Botschaft. Und in aller Öffentlichkeit bekennt er sich zu ihm. Sagt sogar die großen Worte: Johannes ist mehr als ein Prophet, eben der Wegbereiter für den Retter und Friedensfürsten Jesus, dessen Geburt wir in 10 Tagen feiern.
Wem oder Was bereite ich eigentlich Wege mit dem, was ich denke und tu?
Spielen Gerechtigkeit und Friede dabei eine entscheidende Rolle? Halte ich meinen Mund, wenn es brenzlich wird? Stehe ich zu meinen Überzeugungen?
Der 3. Advent ist auch ein ernsthafter Sonntag, der mich in die Verantwortung ruft, einmal Rechenschaft darüber abzulegen, wofür ich eigentlich stehe, und was ich mich meine Überzeugungen kosten lasse.
Es muss wirklich nicht gleich das Leben sein, wie bei Johannes und später bei Jesus. Aber billig möchte ich auch nicht davonkommen.
Johann Weingärtner, evang. Pfr. in Puerto de la Cruz
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Erstellt am: 12.12.2013 13:25 Uhr
Liebe Hörerinnen und Hörer,
es ist Samstag, die 2. Woche im Advent geht zu Ende. Ich weiß nicht, wie die Ihre verlaufen ist. Diese Adventswochen haben es ja einerseits in sich, und andererseits haben sie eine aufbauende Bedeutung. Das wird an ganz äußerlichen Dingen deutlich. Am Beginn jeder Woche zünden wir in unseren Kirchen und sicherlich auch in vielen Wohnungen und Häusern eine Kerze mehr auf dem Adventskranz an. Die Tage werden kürzer und das Licht, das es zu entfachen gilt, wird heller. Der Hamburger Pfarrer und Mitbegründer der Diakonie, Johann Hinrich Wichern, hat ihn für seine gefährdeten Jugendlichen, denen er im Rauhen Haus in Hamburg Heimat und Geborgenheit gab, als Helfer im Warten auf das Fest erfunden. Dieser 1. Adventskranz aber hatte nicht nur für jeden der 4 Adventssonntage eine große Kerze, sondern für alle Tage dazwischen eine etwas kleinere. Von Tag zu Tag steigerte sich das Licht, auch und gerade im Alltag, bis hin zum Heiligen Abend.
Adventszeit – Zeit des wachsenden Lichtes. Es wird eben nicht auf einmal hell. Nicht in der Gegend, wo die Geburt Jesu angekündigt wurde und dann auch geschah. Und es wird auch nicht auf einmal hell, wenn Menschen Dunkelheit zu spüren bekommen, in ihrer Umwelt oder sogar tief drinnen in ihnen selbst. Der Weg zum Licht, also zur Klarheit und auch zu einer Wärme, die tief von innen kommt, ist oft ein Prozess, der geduldig und manchmal auch mit langem Atem gestaltet oder erfahren werden kann und muss. In diesem Prozess kann eine Tugend eingeübt werden, die fast verloren gegangen ist: Die Geduld. Es gibt in den biblischen Texten zum Advent ein für mich wunderschönes Bild dafür:
Siehe der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Frühregen und den Spätregen. Darauf kann man nur warten. Der ist im wahrsten Sinnen des Wortes ein Geschenk des Himmels.
Den Jugendlichen im Rauhen Haus in Hamburg half beim geduldigen Warten das tägliche Anzünden der Kerze mit den 4 großen als Zwischenziel. Adventskerzen als Helfer zur Geduld. Es wird eben nicht auf einmal hell und warm. Nicht in der Welt und auch nicht in uns ganz persönlich.
Johann Weingärtner, evang. Pfr. in Puerto de la Cruz
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Erstellt am: 12.12.2013 13:23 Uhr
Weihnachtsfeiern, liebe Hörerinnen und Hörer, finden in diesen Tagen reichlich statt. Natürlich auch in unseren Kirchengemeinden. Die Räume dafür sind festlich geschmückt, die Tische weihnachtlich dekoriert. Kuchen und andere Leckereien, Kaffe und vielleicht ein Punsch werden gereicht. Wenn es gut geht, gibt es neben dem Essen und Trinken und manch guten oder auch belanglosen Gesprächen ein kleines kulturelles Programm mit weihnachtlichem Charakter: Lieder, Geschichten, Gedichte.
Manchmal ist diese Veranstaltung nur ein gemütliches Beisammensein von Menschen, die in ganz unterschiedlichen Formen mit einander verbunden sind. Dann aber auch wieder so etwas wie ein Dankeschön an haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den unterschiedlichsten Bereichen.
Hin und wieder habe ich anlässlich von Planung und Durchführung von Weihnachtsfeiern mit einem leichten Seufzen derer, die dafür verantwortlich waren, gehört: Ach, wenn wir das doch auch wieder hinter uns hätten. Weihnachtsfeiern – eine notwendige Pflichtübung, fester Bestandteil der Saison. Aber was bleibt, was geschieht, wenn wir das alles hinter uns haben? Und was macht solch Weihnachtsbetrieb für einen Sinn, wenn er mit Seufzen unter einer nicht abzuwendenden Last verbunden ist?
So habe ich mich auch manchmal gefragt, als ich noch als Pfarrer in einer großen Gemeinde mit vielen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden tätig war. War ich nur noch der Esel, der manche Lasten bis hin zum Heiligen Abend zu tragen hatte, ähnlich dem, der die hochschwangere Maria nach Bethlehem schleppen musste?
Wie gestalten wir unseren Weg durch die Adventszeit bis hin zum großen Fest? Verstehen wir uns richtig. Es ist nichts dagegen einzuwenden, in diesen Wochen die Gemeinschaft unter adventlichen und weihnachtlichen Vorzeichen zu suchen und zu pflegen. Vermeiden aber können wir einen Aufwand, der Stress und Hektik verursacht. Begegnung, wie zwischen Maria und Elisabeth, wo es im wesentliche, die Zukunft betreffende Dinge geht, die sind wichtig und sinnvoll. Und vor allem, dass Zeit bleibt dafür, was über Maria später in der Weihnachtsgeschichte gesagt wird: Sie bewegte alle diese Worte in ihrem Herzen. Die Gute Nachricht von Freude und Frieden, beides von Gott geschenkt, die braucht den größten Raum in unseren Feiern. Sonst war es mal nur wieder stressiges oder oberflächliches Saisongeschäft.
Johann Weingärtner, evang. Pfr. in Puerto de la Cruz
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Erstellt am: 12.12.2013 13:21 Uhr
Liebe Hörerinnen und Hörer,
der 12. Dezember ist wieder ein Heiligengedenktag. Es ist der Todestag von Vicelin, dem Apostel der Slawen. Er ist einer der weniger bekannten Heiligen. Aber in der Kirche, die auf dem Boden des von ihm gegründeten Klosters steht, bin ich 13 Jahre Pfarrer gewesen. In Neumünster in der Mitte Schleswig – Holsteins, im 12. Jahrhundert zwischen den Herrschaftsbereichen der Sachsen und Slawen gelegen.
Der Bremer Erzbischof hatte ihn mit der Aufgabe der Mission in diese damals unwirtliche Gegend, die von Feindschaft und Hunger geprägt war, gesandt. Noch heute hängt im Rathaus der Stadt ein Bild, das ihn als Wohltäter und Lehrer der Armen zeigt. Für Arbeit sorgen, dadurch Nahrung schaffen und jungen Menschen Bildung ermöglichen, das war das Konzept Vicelins.
Ein Teich für Fischzucht wurde gebaut. Eine Mühle wurde errichtet für die ärmeren Bauern, die zu den Mühlenbesitzern der Fürsten kaum Zugang hatten, um Brotgetreide selbst zu mahlen. Und eine Klosterschule entstand.
Es gibt aus alter Zeit Vorbilder für die heutige. Überall in Europa mangelt es an Arbeit. Gesunde Nahrungsmittel sind ein Problem. Und über mangelnde Bildung wird häufig geklagt. Es ist alles nicht neu. Aber eines lerne ich von Vicelin. Der machte nicht nur Konzepte und politische Programme. Er handelte selbst. Natürlich nicht allein. Da waren die Chorherren seines Augustinerstiftes, die in den armen Landgemeinden der Umgebung mit den Menschen das tägliche, oft karge Leben teilten und ihre Erfahrung einbrachten. Da waren rund um das Kloster die Familien und Clans, die unter Feindschaft und Armut gelitten hatten. Die wurden motiviert, Neues zu wagen. Netzwerke nennen wir das heute. Wenn es sie doch mehr gäbe.
Vicelin war von seinem Glauben an den menschenfreundlichen Gott gehalten und geprägt. Die Verbindung zu den Menschen an der Basis hat er nie verloren, auch nicht als er später Bischof in Oldenburg in Ostholstein, dem späteren Bistum Lübeck wurde. Als er krank war und dem Tod entgegenging, kehrte er zu seinen Leuten vom Anfang zurück. Am 12. Dezember 1154 ist er dort gestorben und in einem einfachen Grab, keiner Bischofsgruft begraben worden.
Manchmal, wie schon bei Nikolaus am Montag, hilft Erinnerung an weit Vergangenes, liebe Hörerinnen und Hörer. Das kann sehr modern sein, weil es, wenn wir es denn ernst nähmen, Zukunft hat. Und um das, was Zukunft hat, geht es ja wohl auch im Advent.
Johann Weingärtner, evang. Pfr. In Puerto de la Cruz
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Erstellt am: 12.12.2013 13:19 Uhr
Heute werde ich, während Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, diesen Zündfunken hören, mit unserer Wandergruppe unterwegs sein. Wie fast immer wird es ins Gebirge gehen. Manchmal steile und enge Pfade wird es zu bewältigen geben. Dann aber wird als Belohnung ein faszinierender Blick über eine großartige Landschaft möglich sein. So ist das, wenn man übers Gebirge geht.
Ein altes Adventslied heißt so: Übers Gebirg Maria geht. Allerdings ist sie in keiner Wandergruppe unterwegs. Sie will ihre Kusine Elisabeth besuchen. Beide erwarten ein Kind. Und damit etwas ganz Großes. Zumal beide Kinder von großer Bedeutung sein werden: Johannes der Täufer und Jesus.
Wir wandern, um gemeinsam Natur zu erleben, vielleicht auch um etwas miteinander zu tun, uns näher kennen zu lernen, einander zu begegnen.
Maria ist auf ihrem Weg durchs Gebirge ganz auf Begegnung und Austausch aus. Zu diesem Zweck lohnt sich auch ein weiter und beschwerlicher Weg. Das alte Lied erzählt dann die Begegnung. Diese beiden Frauen, Elisabeth und Maria, bereiten sich gegenseitig vor auf das, was kommt. Zunächst werden da nur zwei Kinder geboren. Und es tut ja gut, wenn Schwangere sich gegenseitig stützen und beraten.
Heute sind bei solchen Gesprächen und Vorbereitungen ja auch die Väter dabei. Ist auch gut so. Sowohl Joseph als auch Zacharias, dem Vater Johannes des Täufers, wäre vielleicht manches an Ungemach und Überraschung erspart geblieben, wenn die beiden am Gespräch der Frauen teilgenommen hätten. Die wussten nun, was auf sie zukam. Eben keine ganz normale Geburt. Beide Söhne sollten etwas ganz besonderes werden im Plan Gottes mit den Menschen. Damit hatten beide Väter große Mühe.
Maria singt am Ende dieses alten Liedes: Mein Seel erhebt den Herrn und mein Geist freut sich über Gott, meinen Heiland. Joseph und Zacharias reagieren ganz anders. Der eine will sich aus dem Staub machen und dem andern verschlägt es die Sprache. Gute Begegnung hätte beides verhindern können. Die Frauen haben es vorgemacht.
Adventszeit, liebe Hörerinnen und Hörer, ist auch Zeit für gute Begegnungen, die Missverständnisse auflösen und Wege noch vorn aufzeigen können. Dafür lohnt sich gelegentlich auch ein weiter Weg, manchmal sogar übers Gebirge, ganz wort-wörtlich und auch im übertragenen Sinn.
Johann Weingärtner, evang. Pfr in Puerto de la Cruz.
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Erstellt am: 10.12.2013 18:34 Uhr
Vorgestern hatten wir bereits den 2. Advent, liebe Hörer und Hörerinnen. Für einen wie mich, der zum 1. Mal die Advents- und Weihnachtszeit auf den Canaren erlebt, ist diese Zeit bei diesem Klima etwas Neues. Äußere Gegebenheiten, die mit Advent zu tun haben, fallen weg. Keine Kälte, kein stehen mit dicker Kleidung auf Weihnachtsmärkten, kein Warten auf den ersten Schnee. Ähnliches erlebte ich zwar – aber doch wieder ganz anders – bei meinem Pfarrdienst in der Türkei.
Dort ein islamisches Land, hier christliche Prägung. Und dennoch, die Tannenbäume überall fehlen auch, dafür allerdings genieße ich die Pracht der Weihnachtssterne, an den Straßen in den Gärten auf den Plätzen. Wenn das Äußere fehlt oder so ganz anders ist, besteht die Chance zum Wesentlichen, zum Kern der Sache vorzudringen.
Der 2. Advent hat neben dem Warten, das für die gesamte Zeit ja von Bedeutung ist, die Erfahrung von lebensfeindlichen Ereignissen und Katastrophen und dem Umgang damit zum Thema. Beide können ja von Menschen gemacht sein, oder auch als Schicksal über uns herfallen. Und gelegentlich sind sie sogar ein unheilvolles Gemisch von beidem.
Dann machen Menschen die Erfahrung von Hilflosigkeit, manchmal auch Wut und Verzweiflung. Was hilft in solchen Situationen?
Das Evangelium des 2. Advent wagt die Aussage:
Wenn ihr das alles seht, steht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht. Dahinter steht sicherlich der Glaube, dass nach allem Schrecken Gott bald eingreifen wird. Diese Hoffnung hat sich bis heute oft nicht erfüllt. Das ist für viele enttäuschend. Auch christliches Warten kann umsonst sein.
Und trotzdem entnehme ich diesem Bibelwort einen Gewinn. Kurz gesagt: Nicht liegen bleiben sondern aufstehen. Dass ich das als Gewinn betrachte, hat mit eigenen Erfahrungen zu tun. Ich habe bei anderen und auch bei mir Katastrophen erlebt, die zu Boden geworfen haben. Das ist auch nicht das Schlimmste. Das kann passieren und ist manchmal ganz natürlich. Aber dann wuchsen anderen und auch mir Kräfte zu, die uns aufstehen ließen. Manchmal ganz einfach durch gute Worte und Gesten von Weggefährten. Dann aber wieder auch geheimnisvoll als erfahrene göttliche Zuwendung. Am Boden liegen, ist nicht schlimm, manchmal sogar eine tief greifende Erfahrung. Nicht wieder aufstehen, das ist schlimm.
Mögen Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, stets Kräfte zuwachsen, damit es gelingt.
Johann Weingärtner, evang. Pfr. In Puerto de la Cruz
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Erstellt am: 10.12.2013 18:33 Uhr
Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,
vor ein paar Tagen, am 6.12.2013, haben wir den Nikolaustag gefeiert. Ich wurde dabei an meinen Aufenthalt bei der Christlichen Gemeinde Deutscher Sprache in der südlichen Türkei erinnert. Sie ist in einem Verein ganz und gar ökumenisch organisiert. Und der heißt natürlich Nikolausverein. Liegt doch die Stadt Myra, in der der Heilige im 4. Jahrhundert Bischof war, etwa 100 km südlich von Antalya am Mittelmeer. Nikolaus von Myra hat eigentlich recht wenig mit den Nikoläusen und ihren merkwürdigen Mänteln und Kapuzen in den Einkaufsstraßen zu tun. Die stammen übrigens aus einer frühen Coca-Cola- Werbung. Nikolaus wird richtig im Bischofsornat dargestellt. Und wenn ich als Pfarrer am Nikolaustag mit Kindern und Eltern gefeiert habe, dann habe ich das auch getragen.
Und was war er für ein Bischof! Hier nur einige Hinweise, die für ihn kennzeichnend sind.
Weil er 2 Mädchen davor bewahrte, aus Armutsgründen in die Prostitution verkauft zu werden, gilt er als Lebensretter der Kinder. Und weil er das Geld, das die Eltern für die Mädchen zu erzielen hofften, durch ein offenes Fenster in deren Schlafzimmer warf und es dort in den Schuhen landete, stellen Kinder bis heute einen Stiefel vor die Tür.
Er kümmerte sich während einer Seefahrt, als ein Sturm das Unternehmen bedrohte um die Mannschaft und legte Hand mit an. Beten und Zupacken, dafür steht Nikolaus.
Und als Hungersnot seine Stadt Myra heimsuchte, gelang ihm durch geschicktes Verhandeln die Beschaffung von Brotgetreide.
Nur drei kleine Beispiele. Nikolaustag ist mehr als „Lustig, lustig, trallalalala“ und gutes Geschäft.
Wir werden erinnert an tragende christliche Verhaltensweisen:
Kindern eine lebenswerte Zukunft ermöglichen, sie in die Mitte unseres Handelns stellen.
Betende Hände müssen nicht untätig im Schoß landen, sondern können kräftig zupacken.
Christ Sein bewährt sich auch und gerade mitten in der Welt, greift helfend ein in Politik und Handel ein, wenn das Wohl der Menschen in Gefahr ist.
Manchmal tut es gut, sich an Ursprünge zu erinnern, auch und gerade bei der Bedeutung des Nikolaustages.
Johann Weingärtner, evang. Pfr. In Puerto de la Cruz
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Erstellt am: 10.12.2013 18:30 Uhr
Und dem Engel der Gemeinde in Philadelphia schreibe: Das sagt der Heilige, der Wahrhaftige, der da hat den Schlüssel Davids, der auftut, und niemand schließt zu, der zuschließt, und niemand tut auf:
8 Ich kenne deine Werke. Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan, und niemand kann sie zuschließen; denn du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort bewahrt und hast meinen Namen nicht verleugnet.
9 Siehe, ich werde schicken einige aus der Synagoge des Satans, die sagen, sie seien Juden, und sind’s nicht, sondern lügen; siehe, ich will sie dazu bringen, daß sie kommen sollen und zu deinen Füßen niederfallen und erkennen, daß ich dich geliebt habe.
10 Weil du mein Wort von der Geduld bewahrt hast, will auch ich dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die kommen wird über den ganzen Weltkreis, zu versuchen, die auf Erden wohnen.
11 Siehe, ich komme bald; halte, was du hast, daß niemand deine Krone nehme!
12 Wer überwindet, den will ich machen zum Pfeiler in dem Tempel meines Gottes, und er soll nicht mehr hinausgehen, und ich will auf ihn schreiben den Namen meines Gottes und den Namen des neuen Jerusalem, der Stadt meines Gottes, die vom Himmel hernieder kommt von meinem Gott, und meinen Namen, den neuen.
13 Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt!
Liebe Gemeinde ,
eine offene Tür haben, um in die Freiheit zu gelangen oder besser noch – den Schlüssel haben, der verschlossene Türen öffnet – das ist ein riesiges Vorrecht.
Vielleicht hat sich Sabine B. aus Darry mit ihren fünf Kindern das ja auch gewünscht. Eine offene Tür, durch die frische Luft zum Atmen und Aufatmen hereinkommt, oder durch die man hindurchgehen kann, um die Sonne wieder scheinen zu sehen. Einen Schlüssel in die Hand bekommen, um all das Verschlossene, Verbarrikadierte vor allem aber die zugemauerte Seele aufzuschließen, eine Öffnung nach vorne zu finden.
Mag sein, dass da auch die Suche nach einem Heiligen, zumindest aber wohl Wahrhaftigen war, der von außen aufschließt und ermutigt, sich von innen zu öffnen. War wohl keine Tür mehr zu sehen und kein Schlüssel zu finden. Und wenn das so ist, dann kann man im wahrsten Sinne des Wortes nur noch ersticken, erst seelisch dann körperlich und die andern werden einfach mitgerissen. Hinter verschlossenen Türen lauert der Tod, zuerst der soziale, dann der leibliche. Manchmal und oft, ja viel zu oft, entsetzlich grausam. Und wie es aussieht wird Sabine B. wohl hinter verschlossenen Türen enden.
Szenenwechsel
Vielleicht wünscht sich der eine oder die andere in dieser Zeit, da wir singen Macht hoch die Tür, die Tor macht weit – und – reiß ab vom Himmel Tor und Tür, reiß ab wo Schloß und Riegel für, eine solch offenes Tor und den Schlüssel für das einsperrende Schloß :
der oder die Süchtige in der Phase der Entgiftung – ich war in dieser Woche mal wieder im Fachkrankenhaus zu Besuch – im Blick auf die nachfolgende Therapie; für die einen die erste, für andere bereits die 2. oder 3. oder noch mehr. Da keimt die Hoffnung, dass sich für die Zukunft ein Schlüssel finden lässt, der Türen öffnet und da nagt auch die bittere Enttäuschung am Herzen, dass es in der Vergangenheit nicht geklappt hat mit der Freiheit von dem Rauschgift, dem Alkohol, der Tablette und wie die Suchtmittel alle heißen.
Vielleicht wünscht sich der eine oder die andere in dieser Zeit, da wir singen
Macht hoch die Tür, die Tor macht weit – und – reiß ab vom Himmel Tor und Tür, reiß ab wo Schloß und Riegel für, eine solch offenes Tür und den Schlüssel für das einsperrende Schloß :
der Politiker – die Politikerin, die mit den Zukunftsfragen beschäftigt sind bei der Klimakonferenz in Bali oder ganz einfach über den Jahreshaushalt im Ministerbüro gebeugt. Da wird ja oft der mit vielen Worten beschworene Durchbruch versucht – ein Tor in der Mauer. Und dann kommen sie von allen Seiten – in der Regel die Interessenvertreter – und verstellen die Öffnung, wollen vorher die eigene Freiheit sicherstellen. Das geht meist auf Kosten der Freiheit der anderen. Und wenn die sich alle zusammentun, dann ist das Tor ganz schnell wieder verschlossen oder so klein geworden, das kaum noch etwas geht. Wo ist der Schlüssel ? Wo der Heilige, der Wahrhaftige, der aufschließt und niemand schließt zu ?
Vielleicht wünscht sich der eine oder die andere in dieser Zeit, da wir singen
Macht hoch die Tür, die Tor macht weit – und – reiß ab vom Himmel Tor und Tür, reiß ab wo Schloß und Riegel für, eine solch offenes Tür und den Schlüssel für das einsperrende Schloß :
die Kirchenleute in Synoden und Dezernaten, Vorständen und Arbeitsausschüssen, Lenkungsgruppen und was es sonst noch für Gremien geben mag in dieser unserer Kirche, wenn sie unser Nordelbien und nun wohl auch noch im Verbund Mecklenburg und Vorpommern zukunftsfähig machen wollen. Zukunftsfähig, das ist so ein Begriff aus der Personal – und Organisationsentwicklung.; stammt weniger aus der Bibel als aus entsprechender Fachliteratur. Da ist die Rede von Schlüsselfaktoren erfolgreichen Vorgehens, auch von Schlüsselpersonen also Menschen die öffnen können. Aber das ist nicht der Schlüssel Davids – der steht für die Zukunftsverheißung Gottes – und das sind wohl auch keine Heilige – vielleicht Wahrhaftige ? Sie kommen aus der Schule der Unternehmensberater – haben vielfach Eingang gefunden in unsere Kirche. Nun sei es, wie es ist – gelegentlich sind die Kinder der Finsternis – also dieser Welt – ja klüger als die Kinder des Lichtes, so sagt es ja schon Jesus. Dennoch : Fragen müssen erlaubt sein an diesem 2. Advent mit diesem Bibeltext aus der Offenbarung des Johannes zur Predigt.
Und dieser Text fährt, nachdem er den Ansprechpartner dieses Sendschreibens an eine kleine Gemeinde in Kleinasien – der heutigen Türkei, als den heiligen und wahrhaftigen Türöffner vorgestellt hat, nun mit einer Diagnose des Ist – Zustandes dieser Stadtgemeinde Philadelphia fort. Eine Stadt, die schon mal größere Bedeutung hatte und einer Gemeinde, der es wohl auch schon mal besser ging. Husum und Marien lassen grüßen. Übrigens – wenn es an die tatsächliche Umgestaltung in Richtung Zukunftsfähigkeit von Organisationen geht, dann fangen dort die Fachleute auch mit der Organisationsdiagnose an. Vielleicht können wir ja doch von einander lernen.
Wie sieht die nun in Philadelphia aus ? Da gibt es eine offene Tür und die darf keiner zuschlagen. Und da gibt es eine kleine Kraft, die sich darin zeigt, dass die Gemeinde das Wort Gottes bewahrt und sich in Geduld geübt hat. Große Anfechtung hat diese Gemeinde erlebt und wird sie auch noch weiterhin erleben. Es gibt Widersacher – die Synagoge des Satans werden sie genannt. Ein in der Geschichte übrigens oft schändlich missbrauchter Begriff im Blick auf das gesamte Judentum bis hin zu christlichen Pogromen für jüdische Mitbürger. Ja, gar bis hin zu Rassenhass und grausamer Vernichtung.
Natürlich hat es in der Urchristenheit große Auseinandersetzungen gegeben zwischen jüdischer Synagoge und junger christlicher Gemeinde. Aber der Sprecher in diesem Brief sieht als Ziel nicht deren Vernichtung, ganz im Gegenteil : In geschwisterlicher Vereinigung. Sie sollen erkennen, dass ich dich geliebt habe.
Das also ist die Diagnose :
eine offene Tür
eine kleine Kraft
Festhalten an Gottes Wort und Üben in Geduld.
Und nun wird keine Umsteuerung in eine andere Richtung angezeigt. Es werden keine neuen Ziele gesteckt, schon gar nicht aufoktruiert. Es wird kein großes Bild einer zukunftsfähigen Kirche entworfen. Die Perspektive heißt : Halte, was du hast, dass niemand deine Krone nehme. Mehr braucht Kirche anscheinend nicht als eine offene Tür, eine kleine Kraft, Festhalten am Gotteswort und üben in Geduld.
Das soll genug sein ? Vielleicht oder sicherlich reicht es für eine Gemeinde, die davon ausgeht, dass der Herr sowieso bald wiederkommt : Siehe, ich komme bald. Und dann deuten die Pfeiler in dieser Kirche nicht mehr nur daraufhin, dass die geduldigen Überwinder tragende Säulen der Kirche sind, und dann ist das Portal am Eingang der Marienkirche und hinter Kanzel und Altar nicht mehr nur Sinnbild, sondern gelebte und erfahrene Wirklichkeit. Aber ist diese Gemeinde im 1. und 2. nachchristlichen Jahrhundert zu vergleichen mit einer verfassten Volkskirche am Anfang des 21. Jahrhunderts ?
Ungebrochen über den garstigen Graben der Geschichte hinweg in der Tat nicht.
Aber in seinen Grundaussagen, seinen Essentials schon. Wir brauchen wohl andere Formen der Organisation als die Leute in Philadelphia. Aber was uns trägt und der tiefste Hintergrund unseres Handelns ist, da muß – nein, da darf sich nicht ändern.
1. Wir sind gehalten und getragen von einem Gott, der uns offene Türen schenkt und von sich aus aufschließend und die Gegenwart und die Zukunft öffnend auf uns zugeht.
2. Wir haben nur eine kleine Kraft. Allmachtsphantasien und Würde einflößendes Gehabe überlassen wir getrost den Machern und Managern, obwohl es auch denen nicht gut zu Gesichte steht.
3. Ohne geduldiges und immer wieder eingeübtes Hören auf Gottes Wort geht gar nichts.
Und dann kann es passieren, dass im Geiste Jesus, des mitleidenden und Leben spendenden Bruders und Herrn, sich manche Tür auftut und manches Schloß sich öffnet. Und dann müssen wir vielleicht nicht nur lesen, dass in Lütjenburg ein Gedenkgottesdienst stattfindet – und der ist ausgesprochen wichtig – sondern vielleicht, dass kirchliche Mitarbeitende eine Familie aufgesucht haben, die schwer bedroht war und die nun Hilfe und neue Luft zum Atmen erfuhr.
Dann sind die Augen offen für all die vielen, die an den Abhängigkeiten leiden, die sie knechten. Und es finden sich Weggefährten, die nicht alles den dafür vorgesehenen Einrichtungen überlassen, sondern den Weg der Betroffenen teilen, wenn er gefährlich wird.
Dann wird auch mal – kräftig mit der kleinen Kraft – das Wort genommen, um die nur auf Eigennutz bedachten in die Verantwortung zu rufen mit der Erinnerung daran, dass die Erde des Herrn ist und alle, die darauf wohnen , berufen sind, seine Kinder zu sein.
Dann wird auch in unserer Kirche in der dieser Zeit der Umbrüche und der Verwerfungen nicht die Hoffnung sterben, dass der Himmel einst neu wird und auch die Erde. Da ist noch ein Tor offen. Und jedes Mal, wenn wir uns um den Altar zum Mahl des Herrn scharen, dann haben wir es vor Augen : Macht hoch die Tür, die Tor macht weit und : O Heiland reiß die Himmel auf, reiß ab vom Himmel Tor und Tür, reiß ab, wo Schloß und Riegel für. Amen
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Erstellt am: 10.12.2013 18:28 Uhr
Diakon Bertram Bolz, Deutschsprachige Kath. Gemeinde in Puerto de la Cruz
Einen wunderschönen 2. Advent wünsch’ ich Ihnen, liebe Schwestern und Brüder!
Heute brennt also bereits die zweite Kerze am Adventskranz oder auch dem Adventsgesteck. Ich weiß nicht, wie es ihnen dabei geht; aber ich mag das Licht und die Wärme der Kerze, auch wenn das hier auf Teneriffa vom „feeling“ her vielleicht noch etwas anders ist als zu Hause im Deutschsprachigen Raum. Aber das Empfinden, dass die Dunkelheit nicht ganz verschwindet, wie das sonst beim Neonlicht der Fall ist, das ist schön. Ich denke, es stimmt schon: Eine Kerze ist ein Gegenpol gegen Dunkelheit und Kälte.
Die Liebe ist eigentlich ähnlich. Sie wärmt auch und macht hell. Sie ist auch nicht überall, aber ohne sie…? Vielleicht ist ja die Liebe das schönste und auch das stärkste Stück vom Paradies, das Gott uns gelassen hat. Ein Stück Himmel auf Erden. Wer die Liebe verliert oder wer sie nie erlebt hat, der ahnt was die Hölle auf Erden ist. „Die Liebe ist stark wie der Tod… Ihre Glut ist feurig und eine Flamme des Herrn“, heißt es in der Bibel.
Manchmal kann so eine Flamme zwischen zwei Menschen auch ausgehen, ähnlich wie eine Kerze, die heruntergebrannt ist. Aber nicht einmal dann verschwindet letztlich die Liebe, sie verändert sich nur: Sie wird zur Sehnsucht die in den Menschen weiter glüht, bei denen die Flamme erloschen ist. Ich finde es daher ein schönes Bild, dass die Bibel von der feurigen Glut der Liebe spricht und nicht vom reinen Feuer. Weshalb? Weil das einfach realistischer ist. Liebesfeuer auf Dauer, das hält doch niemand aus. Aber als Glut kann sie dauern. „Glut, die wärmt“, auch wenn man sich verändert. Die Liebe ist in mir – und sei es nur als Sehnsucht. Das ist das Schöne an ihr. Sie kann tiefer und leiser werden, manchmal sogar unsichtbar. Aber sie kann jederzeit neu erstehen.
Und noch was: Liebe ist mehr als ein Gefühl. Es ist schade, dass Liebe so oft mit romantischen Gefühlen gleich gesetzt wird. Liebe, die dauert, ist praktisch und konkret. Und genau das wird oft übersehen oder unterschätzt. Was halten Sie denn von einem Menschen, der von sich behauptet „Ich liebe meine Blumen“ und der sie dann verdorren lässt? Genau so lebt die Liebe eben auch von praktischen Gesten und Taten, die wärmen und erhellen.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen einen liebevollen und vor allem zeichenhaft-gestenreichen 2. Advent!
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Erstellt am: 09.12.2013 18:38 Uhr