Zündfunke, 28.12.13

Einen wunderschönen guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer!
„Die Erwachsenen und Kinder gehen ins Bett, aber sie wissen nicht, ob sie die Nacht überleben. Wenn sie aufstehen, sie wissen nicht, ob es Absperrungen geben wird. Wenn es die nicht gibt und die Kinder können in die Schule, dann wissen sie nicht, ob sie auch ankommen. Es gibt einfach keinen normalen Alltag.“
So beschrieb Viola Raheb, eine Lehrerin aus Bethlehem den Alltag der Kinder dort. An diesem Alltag hat sich seitdem nicht viel geändert. In Bethlehem wachsen die Kinder mit Gewalt und Terror auf. Jedes Kind unter 10 Jahren hat schon Tote gesehen. Bilder, die sich
in seine Seele fest fressen werden. Bethlehem- eine heiß umkämpfte Stadt. Und die Kinder sind die Leidtragenden. Das war früher schon so.
Als Jesus geboren war, so die Bibel, erfuhr der damalige König Herodes, es gäbe in Bethlehem einen, der ihm seinen Thron und seine Macht streitig machen würde. Also ließ er alle Jungen unter 2 Jahren ermorden. Der Kindermord von Bethlehem. Heute, am 28. Dezember wird er traditionell als „Tag der unschuldigen Kinder“ begangen. In Erinnerung an die Kinder, die damals unschuldig sterben mussten. Und im Gedenken an alle Kinder, die sterben müssen, weil den Machthabern der Welt bis heute nichts wichtiger ist, als Macht zu sichern, Territorien zu besetzen und abzuriegeln. Die den Tod vieler Kinder als „bedauerlichen Kollateralschaden“ in Kauf nehmen. Und umso mehr auf der Notwendigkeit ihrer Gewaltaktionen und der eigentlichen Zielgenauigkeit ihrer Waffen zu bestehen.
Es hat sich nicht viel geändert seit damals, sagt Viola Raheb. Wo Machthaber ihre Interessen sichern, sind es zuerst die Kinder, die darunter leiden müssen. Die Geschichte vom Kindermord in Bethlehem erinnert aber vor allem daran, dass Gott ein Kind wurde und wie die Kinder der Welt den Mächtigen mächtig ausgeliefert war. Gott finden wir nicht auf der Seite der Mächtigen. Sondern auf der Seite derer, die ums Überleben ringen müssen. Die ins Exil flüchten müssen. Nach Ägypten oder sonst wohin. Das Gute siegt nicht immer im Leben. Es wird verjagt und umgebracht. Aber Gott ist mit denen, die ums Überleben kämpfen. Ich hoffe sehr, dass sie das spüren können.

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Erstellt am: 23.12.2013 14:11 Uhr

Zündfunke, 26.12.13

Heftiger, verehrte Hörerinnen und Hörer, könnte der Kontrast kaum sein: gestern selige Weihnachtsstimmung, heute der erste Trauerfall; gestern Geburtstagsfeier, heute Mord und Totschlag. Von Anfang an soll klar sein: Christ werden ist nicht nur eine schöne Stimmung, sondern das hat Konsequenzen. Der unbekannte Judenchrist namens Stephanus, den wir heute feiern, war kein angepasster Mitläufer. Er war so widerständig, dass aufgebrachte Landleute ihn schließlich aus dem Weg schafften und steinigten.
Zusammen mit anderen war er für die armen Schlucker in der Jerusalemer Gemeinde zuständig, so jedenfalls erzählt der Evangelist Lukas. Als erster wird er genannt unter den sieben Sozialarbeitern und Diakonen, zuständig für Armenfürsorge und Sozialpflege. Eine wichtige Aufgabe. Der Überlieferung nach ist er der erste Märtyrer im Christentum.
Von Anfang an also soll also klar sein: dieser Jesus von Nazareth, dessen Geburtstag gestern gefeiert wurde, ist ein Anstiftertyp. Wer ihm folgt, gerät in Konflikte – nicht aus Streitsucht und schon gar nicht aus Leidverliebtheit. Aber die Verhältnisse jenseits von Eden, sie sind eben so! Dass es diesen Stephanus schließlich gewaltsam das Leben kostet, hat Gründe. Futterneid, Machtspielchen, die Angst, zu kurz zu kommen, Rechthaberei – all das Übliche war im Spiel. Vor allem aber der Streit um Gott und seine Lebensordnung. Ist er ein Gott aller Menschen oder gehört er nur einem Volk, nur einer Religion, nur bestimmten Auserwählten? Hier bezog Stephanus klar Position, so wie es sich für einen Christenmenschen gehört. Denn mit Jesus ist die Mauer gefallen; jedem Menschen gilt Gottes Fürsorge, sie alle sind nun Schwestern und Brüder Jesu. Davon haben speziell Diakone Zeugnis zu geben, Menschen im Dienst für andere. Erstaunlich und erfreulich ist es, dass dieser Stephanus sich von seinem Weg nicht abbringen ließ. Klar gepolt auf Jesus allein, geht er ihm nach und tut, wozu ihn Berufung und Gewissen verpflichten. Lukas malt ihn als den beispielhaften Nachfolger Jesu schlechthin. Stephanus sieht den Himmel offen, und Jesus schon am Ziel, auf dem Ehrenplatz zur Rechten Gottes. Ihm nachfolgend, bittet auch Stephanus um Vergebung für die, die ihn steinigen.
Solche Menschen sind auch heute wichtiger denn je; Menschen mit Position und Engagement – auf der Spur des Diakons aus Bethlehem, entschieden und doch so flexibel, dass sie vergeben können und die Ursachenkette, die sogenannten Sachzwänge, durchbrechen. Gerade junge und suchende Menschen wissen solche Konsequenz zu schätzen. Gefragt sind Erwachsene, die – weihnachtlich gestimmt und österlich gepolt – einstehen für die Wahrheit des Glaubens, für diakonische Selbstlosigkeit und Solidarität – im Hier und Heute.

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Erstellt am: 23.12.2013 14:08 Uhr

Zündfunke, 27.12.13

Wie gut, liebe Hörerinnen und Hörer, dass es in der Heiligen Schrift vier Evangelien gibt. Weshalb? Weil nur eines doch relativ schnell einseitig, ja sogar gar langweilig werden könnte. Vor allem aber, es würde der Gestalt und Wirkung Jesu wahrscheinlich nicht im Ansatz gerecht. Die ist einfach zu gewaltig, mit einer einzigen Erzählsammlung nicht zu fassen.
Das zeitlich jüngste der vier Evangelien ist das von Johannes. Ihn feiert die Kirche heuete mit einem eigenen Gedenktag. Viel wissen wir nicht von ihm. Aber in seinem Evangelium spielt immer ein, wie es heißt, „Jünger, den Jesus liebte“, eine ganz besondere Rolle. Da wird eine intensive, ja fast schon zärtliche Vertrautheit betont; auf jeden Fall eine Jesus-Freundschaft der besonderen Art. Aber lässt sich mit „Freundschaft“ nicht genau beschreiben, was wir Weihnachten feiern und wovon dieser Johannes erzählt? „Sehet dies Wunder, wie tief sich der Höchste hier beuget. / Sehet die Liebe, die endlich als Liebe sich zeiget.“ So dichtet der evangelische Mystiker Gerhard Tersteegen im 18. Jahrhundert – hingerissen von diesem weihnachtlichen Wunder der Liebe. „Gott und der Sünder, die sollen zu Freunden nun werden.“ Lässt sich genauer sagen, was wir Weihnachten feiern? In Jesus Christus sind Gott und Mensch für immer einig geworden. Das letzte Konzil sagte es so: „In dieser Offenbarung redet der unsichtbare Gott aus überströmender Liebe die Menschen an wie Freunde und verkehrt mit ihnen, um sie in seine Gemeinschaft einzuladen und aufzunehmen.“ Im Lieblingsjünger Johannes wird diese Gottesfreundschaft anschaulich. Bekannt sind besonders in Süddeutschland die Darstellungen Jesu mit dem Freund an seiner Seite, der Kopf auf seinen Schultern oder an seine Brust. „Sehet die Liebe, die endlich als Liebe sich zeiget“ – „endlich“ im doppelten Sinn.
Wer sich derart als Gottes Freund und Freundin verstehen darf, wird sich um solch gute Beziehungen überall bemühen, nicht zuletzt unter den Generationen. Wir wär‘s denn mit einer wirklichen Freundschaft zwischen Eltern und Kindern, zwischen Großeltern und Enkeln, zwischen Mann und Frau natürlich, zwischen Mann und Mann und Frau und Frau. In seinem Evangelium lässt Johannes Jesus sagen: „Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage… denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.“ Solche Herzensfreundschaft gilt nicht nur Weihnachten, sie ist die Einladung zu guten Beziehungen, immer und überall.

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Erstellt am: 23.12.2013 14:08 Uhr

Zündfunke, 25.12.13

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer und Ihnen allen ein frohes und gesegnetes Weihnachten!
Haben Sie das dieser Tage in den Straßen auch gesehen? Da hangelt sich ein dicker, rot gekleideter Mann zu einem Balkon empor. Ein anderer klettert behände den Schornstein hinauf. An vielen Orten sieht man seit einigen Jahren in der Weihnachtszeit diese Gestalten. Es handelt sich um Weihnachtsmann-Puppen, mit denen Häuser geschmückt und verziert werden.
Auch wenn wir zum Glück längst nicht mehr an den Weihnachtsmann glauben,
den uns ein amerikanischer Getränkekonzern beschert hat – wär’ doch schön, wenn zu Weihnachten einmal ein ganz besonderer Besuch käme. Vor allem zu denen, wo sonst keiner vorbeischaut, die sonst gar keinen Besuch haben. Oder dort, wo die Festtags-Routine alle im Griff hat und sich die Besucher die Klinke in die Hand geben. Ein ganz besonderer Besuch – der Fassadenkletterer erinnert daran, dass Weihnachten nicht zu feiern ist, wenn es nur von Mensch zu Mensch stattfindet. Ist da nicht noch mehr? Möchte nicht jemand bei uns einsteigen? – Gott hat sich das vorgenommen. Nicht an der Hauswand entlang, sondern geradewegs mitten ins Leben. Die Weihnachtsgeschichte in der Bibel erzählt von Hirten bei der Arbeit, einer überfüllten Herberge, Bürokratie bei der Steuerschätzung. Das war damals beileibe kein ruhiges, besinnliches Fest. Es war Alltag. Arbeitsalltag.
Doch mittendrin spürten die Leute damals: da ist ja Gott selbst als Kind unter uns. Und er kommt auch nicht irgendwie vom Dach aus durch den Kamin, sondern von viel weiter her: direkt vom Himmel. Und er kommt überall dorthin, wo wir arbeiten und schlafen, lachen und weinen, lieben und hassen, verzweifeln und hoffen. Gott ist als Kind in unserer Mitte. Er hat sich damit einen neuen Weg zu den Menschen ausgedacht. Und das gibt Hoffnung und Zuversicht. Denn es ist einfach unmöglich, ein neugeborenes Baby zu betrachten,
ohne zu lächeln, ohne das große Glück eines neuen Lebens zu spüren, ohne seinen Glanz mitzunehmen und weiter zu tragen.
Das ging schon den Hirten mit Jesus in der Krippe so und hat sich bis heute nicht geändert.
Gott kommt in unser Leben und will es mit seinem Glanz erfüllen. Wie der Weihnachtsmann ist Gott eine Art Einsteiger. Doch wenn der Weihnachtsmann wieder in der Abstellkammer verschwindet, ist Gott immer noch da. Für Sie und für mich!
Einen frohen Festtag Ihnen allen!

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Erstellt am: 23.12.2013 14:06 Uhr

Zündfunke, 24.12.13

Guten Morgen liebe Hörerinnen und Hörer und einen schönen Heiligen Abend!
Heute ist es also wieder soweit. Es ist Heilig Abend. Die Zeit des Wartens – endlich ist sie vorbei. Wir feiern den Geburtstag Jesu. Ein Weltereignis, das der Evangelist Lukas in einer wunderschönen Geschichte eingefangen hat. Wir erinnern uns: Vor 2000 Jahren in der Stadt Bethlehem, da sind Maria – eine junge schwangere Frau und ihr Mann Josef unterwegs in genau diese Stadt. Als sie angekommen sind, geht es auch sofort los mit der Geburt. Und da in den Herbergen kein Platz für das Paar zu finden ist, wird ein Stall zu dem Ort, an dem Jesus das Licht der Welt erblickt. Durch die Engel werden die Hirten auf dem Feld auf dieses Ereignis aufmerksam gemacht. Sie glauben an die Botschaft der Engel und der Glanz Gottes liegt in dieser Heiligen Nacht auf einmal auf den Hirten selbst. Bewegt und begeistert, tragen sie die Frohe Botschaft weiter in die Welt: Der Heiland der Welt ist geboren. Der Retter für all die Menschen, die am Rande leben. Er wird geboren für die Armen und Kranken, die Stolzen und die Hochmütigen, die Erfolglosen und die Besitzlosen.  Dieses kleine jüdische Kind fasziniert; es bringt Licht in die Dunkelheiten dieser Welt. Dieses Kind ist ein Gotteskind und es schafft es, Mauern zu überspringen und sie zwischen Menschen z überwinden, wie es in einem Psalm heißt.
Die Engel und die Hirten, Maria und Josef,  die drei Weisen aus dem Morgenland, der Ochs und der Esel alle sind bewegt von der Anmut dieses Kindes. Und jeder ist auf seine Weise angesprochen und berührt. Eine Ahnung von Frieden liegt über Bethlehem. Und diesen Frieden spüre ich auch in mir.  Die Erinnerung an dieses Ereignis berührt mein Herz, macht mich froh. Es lässt mich mehr Mensch werden. Ich weiß auch um all die Dunkelheiten in dieser Welt, in unserem je eigenen Leben und um die Tatsache, dass Bethlehem heute mit Mauern umgeben ist. Und doch gibt das Fest der Weihnacht immer wieder Hoffnung auf Frieden. Wie damals Maria und Josef sich auf den Weg gemacht haben, sind es heute viele Menschen aus aller Welt, die nach Bethlehem kommen. Die Lichter, die dort brennen – und nicht nur dort – sind ein Zeichen der Sehnsucht nach Frieden, nach Neuanfang. Nach der Hoffnung, dass Mauern fallen, Mauern des Hasses und des Misstrauens, der Ungerechtigkeit und der Benachteiligung. Bis heute wird  das Licht von Bethlehem an die Menschen weitergeben, an alle Menschen die guten Willens sind. Ihnen allen einen gesegneten Heiligen Abend!

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Erstellt am: 23.12.2013 14:04 Uhr

Zündfunke, 23.12.13

Diakon Bertram Bolz, Deutschsprachige Kath. Gemeinde in Puerto de la Cruz
Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer!
Am Heiligen Abend sind – getreu dem Lied: „Alle Jahre wieder“ – die meisten Kirchen bis auf den letzten Platz gefüllt. Da kommen auch viele dazu, die sonst selten oder mitunter gar nicht mehr in die Gottesdienste gehen. Aber ich freue mich darüber, denn offensichtlich finden die Menschen an diesem Abend in unseren Kirchen etwas, was ihnen irgendwie gut tut – wonach sie sich sehnen. Ja, vielleicht ist da etwas spürbar, was sie zutiefst innerlich anrührt: Die Stimmung, die Lichter in der Dunkelheit; Worte, die Hoffnung wecken; Lieder und Musik, die zu Herzen gehen; Stille und Gebet. Vielleicht auch das Zusammensein mit anderen, die genauso ihrer Sehnsucht auf der Spur sind und mit dem Göttlichen in Berührung kommen möchten. Und außerdem kann man in der Kirche eine betende Gemeinschaft erleben, die einen mitträgt – in der jeder mit seinen Sorgen und Wünschen gut aufgehoben ist.
Diese Erfahrung kann dazu anregen, selbst mal wieder zu beten. Keine Kindergebete von früher – nein. Besser so, wie es Martin Gutl in einem Gedicht über das Beten beschrieben hat:
„Zonen im Tag aufsparen,
Zonen der Stille um
Gespräche und Handlungen legen.
Den inneren Lärm der Wünsche
und die laute Außenwelt abklingen lassen.
Hinunterhorchen bis in die untersten
Schichten des eigenen Seins.
Sich der Stille anvertrauen,
dem Mann, der Frau, den Kindern,
den Freunden,
den Feinden lange in die Augen schauen,
sich ins Schweigen einüben,
sich in die Bibel einführen lassen,
Bilder und Gleichnisse
aufleben lassen,
die Zeichen der Natur
andächtig betrachten,
die Zeremonien des Alltags pflegen,
persönliche und ehrliche Gespräche führen,
sich selbst, die Welt und Gott annehmen lernen,
sich selbst und seine Schatten sehen,
sich Gott und den Menschen mit
dem Herzen zuwenden.
In Kirchen
eine geheime
Welt erahnen.
Angesprochen werden,
sich dem Anspruch stellen,
sich treffen lassen
und betroffen leben.“
So bunt und vielfältig ist Beten. Ich kann Sie nur ermutigen: Probieren Sie es mal! Wer betet, hat mehr vom Leben.

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Erstellt am: 23.12.2013 14:03 Uhr

Predigt zum 4. Advent 2013

Lesung: Jes 7, 10-14 / Evangelium: Mt 1, 18-24
Schwestern und Brüder!
Was wir da eben im Evangelium gehört haben, das klingt so ein wenig nach „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, „Lindenstrasse“ oder auch „Verbotene Liebe“. Vielleicht würde aber auch der ein oder die andere von Ihnen sagen: Also für mich das gehört eher unter die täglichen Dokumentationen von „Verdachts- oder auch Betrugsfällen“. Sie ist schwanger und er davon überzeugt, sie muss fremd gegangen sein. Woher soll das Kind sonst kommen? Er kann es ja nicht gewesen sein. Also normalerweise eine Riesen-Szene, Schmerz und Wut auf beiden Seiten, der gehörnte Partner als großer Looser- und Verlierer-Typ.
Josef, der im Mittelpunkt des heutigen Evangeliums steht und für viele genau dieser Looser ist, der ist es in meinen Augen mehr als wert, dass wir ihn einfach mal näher betrachten. Der Jesuit Alfred Delp hat ihn als „den Mann am Rande, den Mann im Schatten“ bezeichnet und das nicht nur wegen seiner spärlichen Erwähnung in den biblischen Schriften. Auch auf Bildern und Gemälden des Weihnachtsgeschehens steht er meist im Schatten von Mutter und Kind. Maria und Jesus werden da königlich in Szene gesetzt, prachtvoll und faltenreich gewandet – häufig noch mit Engeln umgeben, die einen wundervollen Halbkreis um die beiden bilden. Oder man sieht da auch Maria im Gruppenbild mit den Hirten oder den Heiligen Drei Königen, die feierlich ihre einfachen oder auch kostbaren Geschenke präsentieren. Nur Josef, der Zimmermann, steht auf vielen dieser Gemälde unscheinbar im Hintergrund; er sieht dabei alt und grau aus, ganz so, als solle ja niemand auf die Idee kommen, dieser alte Mann könnte der leibliche Vater des Krippenkindes sein. Manchmal hat Josef nicht mal einen Heiligen-Schein – und die absolute Krönung diesbezüglich ist für mich das Bild von der „Anbetung der Könige“ von Bartholomäus Bryn dem Älteren, auf dem Josef ganz verstohlen hinter einer Säule hervorschaut und das Geschehen betrachtet, als wäre er wirklich nur ein am Rande stehender und nicht mal unbedingt geduldeter Zuschauer. Es ist ja auch Fakt, dass Josef bei Matthäus in dieser Szene mit den Königen schon gar nicht mehr erwähnt wird. Da heißt es nur noch: „Sie gingen in das Haus und fanden das Kind und Maria, seine Mutter. Da fielen sie nieder und huldigten ihm.“ (Mt 2,11)
Josef kommt also schon nach kurzer Zeit nicht mehr vor. Und wenn er dargestellt wird, dann zeigen ihn die Bilder – wie gesagt – meist als alten Mann, der keine Gefahr für die Reinheit der Jungfrau Maria darstellt. Ich finde das alles andere als fair, denn nirgendwo in den Evangelien findet sich ein Hinweis darauf, dass Josef ein alter Mann war. Vielleicht hat man uns das suggeriert, weil er – abgesehen von den Kindheitserzählungen – später nicht mehr erwähnt wird. Da denkt man eben schnell: Ok, er war ein alter Mann, der vor Kram relativ früh verstorben ist. Aber ich kann Ihnen sagen: Auch damals starben nicht nur alte (!) Männer.
Wenn wir nun einen Blick auf die Ikonographie der Ostkirchen werfen stellen wir fest, dass Josef dort häufig als Schlafender dargestellt wird, weil ihm ja auch im Schlaf die entscheidenden Weisungen des Engels mitgeteilt wurden. Immer wieder scheint er da, ganz in sich versunken, darüber nachzudenken, was zu tun ist. Kein Wunder, es wird ihm ja auch wirklich eine Menge zugemutet. Die Verlobte ist schwanger, obwohl er sie noch gar nicht berührt hat. Da scheint eine Welt für ihn zusammenzustürzen: Gerade sie, dieses liebevolle Mädchen, seine Braut, der er absolut und in allem vertraut hatte. Maria wird ihm erzählt haben, was wir unter dem Stichwort „Verkündigung“ in der Bibel erfahren und feiern – und er selbst? Er bekommt eben im Traum gesagt, woher das Kind stammt. Aber hat er das wirklich begrif-
fen? Ist das nicht weit über seinen Horizont hinausgegangen? Und trotzdem
gehorcht er dem Engel und es heißt „er nahm Maria als seine Frau zu sich“.
Zwischenfrage: Ist Ihnen eigentlich beim Hören der Lesung aufgefallen, dass in diesem wesentlich älteren Text des Apostels Paulus an die Römer von einer „Jungfrauengeburt“ überhaupt nicht die Rede ist? Oder sollten wir vielleicht sagen, dass Paulus zu der Zeit davon noch gar nichts gewusst hat? Bei ihm ist Jesus „dem Fleische nach geboren als Nachkomme Davids“, also als wirklicher und leiblicher Sohn des Josef. Für Paulus wurde Jesus erst als „Sohn Gottes eingesetzt kraft seiner Auferstehung von den Toten“. Was ich Ihnen damit sagen möchte ist: So eindeutig, wie wir das vielleicht gerne hätten oder wie es die Lehre der Kirche dogmatisch im Nachhinein festgezurrt hat, ist das alles nicht. Wenn wir diesbezüglich ehrlich bleiben, dann gibt es eben nicht nur eine einzige Christologie im Neuen Testament. Sicher: schon die frühe Kirche ist durchaus jener gut bezeugten Lehre von der Gottessohnschaft Jesu von Anfang an gefolgt. Genau deshalb wird auch seine göttliche Herkunft, die nicht menschlich erklärt werden kann, mit den uns so vertrauten Worten ausgedrückt: „…denn das Kind, das sie empfangen hat, ist vom Heiligen Geist.“ Aber dass Maria nach der Zeugung und der Geburt ihres Kindes „Jungfrau“ geblieben ist, das ist – mit Verlaub – keine gynäkologische, sondern vielmehr eine theologische Aussage.
Doch kehren wir wieder zum Heiligen Josef zurück, dem es nicht „im Traum“ eingefallen wäre, seine Verlobte zu verlassen. Warum aber tut er das? Warum fügt er sich so mir nichts Dir nichts in sein Schicksal als Quartiermacher, als Fluchthelfer, Ernährer und Beschützer einer kleinen Familie, deren väterliche Pflichten er doch zu seiner Zeit nie und nimmer hätte übernehmen müssen? Vermutlich gibt’s dafür nur zwei Gründe, die man in Erwägung ziehen kann. Zum einen, dass dieser Josef ein ungeheuer tiefes Vertrauen in und einen festen Glauben an Gott gehabt haben muss. Den Glauben, dass Gott in einem Leben eben am Werk ist und dass das, was er tut, auch dann noch einen Sinn hat, wenn ihn der oder die Betreffende schon lange nicht mehr versteht. Es ist ein Glaube, der einen selbst dann an Gott festhalten lässt, wenn alles, was einem lieb und teuer ist, über einem zusammenstürzt oder den Bach runtergeht. Wenn alle anderen sich die Mäuler über einen zerreißen oder man am liebsten nur noch davon laufen möchte. Josef will das ja auch, aber sein Glaube bewirkt, dass er JA zu Maria sagen kann, obwohl so vieles objektiv gesehen, dagegen spricht. Sein Glaube bewirkt, dass er Maria Vertrauen und seine Zweifel hinten anstellen kann. Dass er sein Herz sprechen lassen kann und nicht auf sein Recht pocht. Und der zweite Grund ist wohl der, dass er Maria wirklich unsagbar geliebt haben muss. Ich glaube nicht, dass man sonst in einer solchen Situation so zu einem Menschen stehen kann.
Ich finde es gut, dass uns dieser Josef immer mal wieder vor Augen gestellt wird, denn ich habe dadurch die Hoffnung, dass er vielleicht ein klein wenig
auf uns, auf ihr und mein Verhalten abfärben kann. Vor allem eben dann, wenn wir in die Augen des Menschen schauen, der uns viel bedeutet, den wir lieben – und den wir durch unser Verhalten zutiefst enttäuscht haben oder dessen Verhalten wir momentan mal wieder gar nicht verstehen können. Ja, dann wäre es gut, wenn dieser Josef abfärben und, wenn die Liebe zum anderen solche Abgründe überwinden helfen könnte. Und dieser Josef sollte auch dann auf uns abfärben, wenn wir uns wieder einmal fragen, warum gerade uns das jetzt passieren muss; was denn alles überhaupt noch soll; wenn irgendein Ereignis uns einen Strich durch die Rechnung macht oder ein Schicksalsschlag all unsere Kräfte herausfordert oder eine Krankheit unser ganzes Leben verändert. Ja, dann sollte dieser Josef dergestalt auf uns Einfluss nehmen, dass wir Gott so vertrauen und glauben können,
dass er auch dann in meinem Leben am Werk ist, wenn ich nichts, aber
auch gar nichts mehr von ihm spüre und doch trotzdem darauf bauen kann,
dass alles einen Sinn hat.
Ich möchte nicht wissen, was aus Maria und dem Kind geworden wäre, wenn Josef sich nicht um sie gekümmert hätte. Ich möchte nicht wissen, was aus Weihnachten geworden wäre, wenn Josef damals nicht mitgemacht hätte. Deshalb wünsche ich ihnen und mir, dass wir uns dieses Vertrauen, welches Josef in das Wirken Gottes hatte zum Vorbild nehmen und es immer wieder neu einüben. Und wenn sie das nächste Mal nicht schlafen können, dann sollten sie sich vielleicht nicht ärgerlich-ängstlich hin- und her-wälzen, sondern einfach mal auf ihre innere Stimme hören. Denn oft dauert es gerade bei uns so aufgeklärten Menschen eine längere Zeit, bis unser Verstand erfasst, was unser Herz schon längst begriffen hat. Amen.

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Erstellt am: 23.12.2013 14:01 Uhr

Zündfunke, 22.12.13

Gemeindereferentin Andrea Bolz, Deutschsprachige Katholische Gemeinde Puerto de la Cruz
Einen wunderschönen 4. Adventssonntag, liebe Schwestern und Brüder!
Eine feierliche Stille herrschte um und vor allem in dem Stall, zu dem die gesamte Versammlung des Gerichtsaales gepilgert war, einschließlich der drei vornehmen Fremden. Und was ich nie für möglich gehalten hatte, ereignete sich in diesem Stall. Die drei vornehmen Männer knieten vor dem kleinen Kind nieder und brachten ihm Geschenke dar. Plötzlich drängelte sich aber der Mann nach vorne, der von den Räubern überfallen worden war, und er hatte sogar seinen Koffer mit dabei, den er ebenfalls bei dem kleinen Kind ablegte, und dann ging er auf die beiden Räuber zu und sagte zu Ihnen. „ Ich glaube, dieses Kind kann Menschen wandeln. Darum möchte ich, dass ihr eine neue Chance bekommt, ich ziehe meine Anzeige zurück.“ Als der Richter dies hörte, erklärte er somit feierlich die Gerichtsverhandlung für beendet. Dann trat er auf Simon und Rahab zu, und entschuldigte sich bei dem Ehepaar, das zu Unrecht des Diebstahls beschuldigt worden war.
Als ich spät am Abend dieses ereignisreichen Tages heimkehrte, war mir vieles unklar. Am anderen Tag ließ ich mir deshalb von den beiden Räubern auf dem Marktplatz die ganze Geschichte noch einmal erzählen. Erst beim Schreiben begriff ich allmählich, was da in Bethlehem Außergewöhnliches geschehen war. Oder begriff ich es nicht? Da war ein Kind in einem Stall geboren, ein Gotteskind. Ein Kind, das erwachsene, gestandene Männer zum Staunen bringt, ein Kind, das Menschen verwandelt. Es hatte vielen Menschen zum Glauben an Gott und zum Vertrauen ins Leben verholfen. Auch mir. Wie viel Gutes, so frage ich mich, wird es wohl erst bewirken, wenn es erwachsen ist?
Gleich am nächsten Tag war übrigens die Familie mit dem Kind verschwunden. Niemand wusste, wohin. Ich wünsche mir, ich würde ihr noch einmal begegnen!“

Liebe Hörerinnen und Hörer! Die nächsten Tage geben uns die Möglichkeit, diesem Kind – diesem Gotteskind zu begegnen; wenn wir uns darauf einlassen können, wie die Menschen, die den Stadtschreiber Jakob aus Bethlehem beeindruckt haben. Vielleicht bringt uns dieses Kind ja auch zum Staunen, zum Nachdenken, zum Überdenken so vieler eingefahrener Gewohnheiten, zum Verzeihen, zum Vertrauen und vielleicht sogar zum Glauben. In diesem Sinne wünsche ich ihnen gesegnete, friedvolle und erfahrungsreiche Weihnachtstage.

(nach Christiane Müller)

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Erstellt am: 23.12.2013 13:58 Uhr

Frohe Weihnachten!

Wir wünschen allen Lesern des „Teneriffa – Anzeigers“ ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest 2014 !

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Erstellt am: 23.12.2013 13:52 Uhr

Am Tag als der Regen kam

Am Tag als der Regen kam. Von Manchen lang ersehnt, jedoch diesmal nicht so ganz unverhofft wie das Sturmtief „Delta“ vor acht Jahren. Zum ersten Advent schwarze Wolken im Süden, einen Tag später leichter Regen. Warm am Tag und in der Nacht. Man musste noch nichts Schlimmes vermuten. Doch die Jahreszeit ist unwetterträchtig. Die folgende Woche erbrachte immerhin noch zwei sonnige Tage bei Temperaturen um die 24°C, die auch nachts kaum abfielen. Die Satellitenbilder versprachen jedoch nichts Gutes. Ab Nikolaus hat es sich eingeregnet, am Montag, den 10. Dezember kam von AEMET, dem spanischen Wetterdienst, die Unwettermeldung Stufe rot. Blitze zuckten ringsum am nächtlichen Himmel. Der Sturm fegte mit bis zu 150 km/h über die Insel, die Regenmenge erreichte 190 Liter pro Quadratmeter. Die ganze Insel war betroffen. Zweieinhalb Tage lang tobte das Unwetter. Am Mittwochnachmittag war die Südautobahn einer Wasserrutsche gleich und unbefahrbar. Der Kreisverkehr an der alten Landstraße bei Guaza wurde durch herabströmende Wassermengen aus dem Barranco vollständig unter Wasser gesetzt. Die 700 Mitarbeiter der Feuerwehr, Polizei und kommunale Einsatzfahrzeuge konnten jedoch nicht an allen Ecken und Enden der Insel rechtzeitig vor Ort sein, um Vorsorge zu treffen. Die Menschen aus den in den Fluten versinkenden Fahrzeugen konnten jedoch gerettet werden.
Flüge zwischen den Inseln waren größtenteils abgesagt worden. Dennoch rutschte eine Binter-Maschine am Nordflughafen von der Landebahn. Es grenzt an ein Wunder, dass niemand verletzt wurde.
Am Donnerstagnachmittag war der Spuk vorbei. Ein großes Aufatmen ging durch die Insel und man konnte sich einen Überblick über die Schäden verschaffen.
Diese sind mannigfaltig, sowohl im öffentlichen als auch in privaten Bereichen. Uferpromenaden und Strände gleichen einer Geröllwüste, durchsetzt mit entwurzelten Bäumen und angeschwemmtem Müll aus den Bergen. In den Hotels funktionieren die Klimaanlagen nicht mehr, Autos, die in Tiefgaragen abgestellt oder weggeschwemmt wurden, sind nicht mehr fahrbereit. Die Privathäuser beklagen zuhauf nasse Wände und Decken. Das große Aufräumen hat begonnen. Noch eine Woche bis Weihnachten. Da soll ja alles wieder in Ordnung sein.
Zwei positive Aspekte zum Schluss: Der Teide zeigte sich am Samstag im schönsten Winterkleid. Nach wie vor ist aber die Zufahrt in die Canadas über Esparanza gesperrt.
Viele Menschen bekommen kurzfristig Arbeit und können sich mit den Instandsetzungsarbeiten ein Weihnachtsgeld verdienen. sab

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Erstellt am: 22.12.2013 13:17 Uhr