Diakon Bertram Bolz
Deutsprachigprachige Kath. Gemeinde in Puerto de la Cruz
Sieben Gaben werden dem Heiligen Geist in der Tradition unseres Glaubens zugesprochen, verehrte Schwestern und Brüder. Eine davon ist die Gabe der Einsicht. Mit Einsicht verbinde ich, dass mir etwas aufgeht, dass ich eine Art „Aha-Erlebnis“ habe und mir Zusammenhänge bewusst werden. Dabei geht es nicht unbedingt darum, über alles und jedes Bescheid zu wissen, schon eher darum, eine Ahnung von etwas zu haben und meine Grenzen zu erkennen.
Ignatius von Loyola, der Begründer des Jesuitenordens, beschreibt eine für mich wichtige Einsicht, als er sich mit der Frage nach Gott auseinandersetzt. Er schreibt: „Nicht das Vielwissen sättigt die Seele, sondern das Verkosten der Dinge von innen her.“ Mir kam dazu eine recht eigenwillige Stelle aus der Bibel in den Sinn. Als Ezechiel von Gott zum Propheten berufen wird, fordert dieser ihn auf, eine Schriftrolle zu essen. Er soll sich das Wort Gottes buchstäblich durch das Essen einverleiben.
Eine verrückte Szene. Im doppelten Sinne – alles andere als leichte Kost. Ezechiel ist gefordert sich in seinem Innern mit dem auseinanderzusetzen, was Gott ihm zumutet. Die Schriftrolle enthält Klagen und Seufzer. Sein Auftrag ist kein einfacher. Er soll sein Volk wachrütteln, es zur Umkehr bewegen und ihm trotz aller Hoffnungslosigkeit, Zukunft verheißen. Widerstand ist ihm da gewiss. Widerstand von außen aber auch seine eigenen inneren Widerstände plagen ihn ganz gewaltig.
Und doch. Er nimmt die Aufgabe an. Er kaut und schluckt daran. Er lässt sich auf das, was da auf ihn zukommt, ein. Mit Haut und Haar. Und indem er die Botschaft verkostet, mit ihr ringt, wird sie ihm zur Speise, die ihn nährt, die ihm Kraft gibt für seine Aufgabe.
„Nicht das Vielwissen, sättigt die Seele, sondern das Verkosten der Dinge von innen her.“…Mich treibt dieser Satz um. Gerade heute, einen Tag nach Fronleichnam. Jenem Fest eben, an dem die katholische Kirche feiert, dass sich uns Jesus Christus im heiligen Brot schenkt, dass sein Abendmahl mit den Jüngern keine einmalige Sache war, sondern wir bis auf den heutigen Tag mit ihm und untereinander verbunden sind, wenn wir das Brot teilen und es verkosten.
Wenn ich mir bewusst mache, dass Gott sich mir in jedem Abendmahl im Zeichen des Brotes in die Hand gibt, mich etwas von seiner Liebe und Gegenwart kosten lassen will, dann berührt mich das sehr. Dann erahne ich auf einmal, was geschehen könnte, wenn ich mich durch dieses Verkosten von innen her, verwandeln ließe.
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Erstellt am: 31.05.2013 08:45 Uhr