Diakon Bertram Bolz
Deutschsprachige Kath. Gemeinde in Puerto de la Cruz
Einen wunderschönen guten Morgen, liebe Schwestern und Brüder. Angeregt durch das Fest Christi Himmelfahrt, das wir diese Woche feiern, möchte ich mit Ihnen ein wenig über sogenannte „Zeichen des Himmels“ nachdenken. Für manchen von uns – so sagt man bisweilen – scheint der Himmel offen zu sein, durchlässig zum Leben, andere dagegen erfahren ihn gänzlich verschlossen. So erklärte mir erst unlängst eine 80jährige Patientin, dass sie nicht an ein Leben nach dem Tod glaube. Für sie ist mit dem Tod einfach alles aus. Danach kommt nichts. Dabei macht sie auf mich den Eindruck, als hätte sie nur darauf gewartet, genau diese Ansicht mal irgendjemandem sagen zu können. Und dann erzählt sie: Als ihr Mann vor einigen Jahren gestorben ist, da hat sie sich intensiv mit der Frage auseinandergesetzt, wo er denn jetzt wohl sei. Sie hat viel dazu gelesen, auch alles, was sie über so genannte Nahtoderfahrungen finden konnte, aber sie fand nirgends eine Antwort. Deshalb ihr Fazit: es ist wie in der Natur; die Alten müssen gehen, um den Jungen Platz zu machen. Und jetzt wolle sie sterben. Sie sei bereit dazu. Und damit war das Gespräch für sie zu Ende.
Gern hätte ich mehr von dieser Frau erfahren. Warum sie wohl jegliche Möglichkeit an ein Jenseits für sich ausschloss? War es Angst vor Enttäuschung? Angst davor, dass sich eine Hoffnung als falscher Trost herausstellen könnte? Es schien mir fast so, als dürfte sie sich den Himmel nicht gönnen.
Ganz anders dagegen die Erfahrung mit einer anderen Patientin, auch über 80 Jahre alt. An Krebs erkrankt, entschied sie sich für eine Chemobehandlung. „Man kann ja nie wissen“, sage sie zu mir „vielleicht hilft es ja doch!“ Wenn ich sie sah, ging es ihr nicht gut. Aber sie lebte selbständig in ihrer Wohnung und war stolz darauf. Sie genoss die Besuche von Bekannten und das Reden über die gemeinsamen Zeiten hier auf Teneriffa. Dann kam der Tag, an dem sie nicht mehr konnte. „Der Krebs hat gesiegt“, meinte sie voller Bedauern. Am folgenden Morgen erzählte sie von einem Besuch mitten in der Nacht. Sie sei plötzlich aufgewacht und dann sah sie drei Gestalten in der offenen Tür stehen. Ganz deutlich winkten sie ihr freundlich zu. Waren es drei Engel? Es könnte ja sein, meinte sie lächelnd; aber wie dem auch sei, auf jeden Fall sei dies schön für sie gewesen und habe ihr Trost gegeben. Drei Tage danach ist sie gestorben.
Mich hat das sehr bewegt. Vor allem ihre Offenheit, ihr leises In-Frage-Stellen, ob es auch wirklich war und ihre gleichzeitige Freude darüber. Alles ist möglich. Nichts muss sein. Sie trug Bilder vom Himmel in sich, ohne diesen Himmel selber hochstemmen zu müssen. Mir schien es, als ob ihr schon etwas Himmlisches begegnet sei. Ich bin dankbar dafür, dass sie mir diese, ihre Erfahrung, mitgeteilt hat. Denn dies lässt mich hoffen, auch in meinen Leben Zeichen des Himmels zu finden.
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Erstellt am: 07.05.2013 16:34 Uhr